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Full text of "Einleitung zu Einer Amringisch-Föhringischen Sprachlehre"

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EINLEITUNG 

ZU EINER 

AMRINGISGH - FÖHRINGISGHEN SPRACHLEHRE. 

HABILITATIONSSCHRIFT 

MIT WELCHER 

MIT GENEHMIGUNG DER PHILOSOPHISCHEN FAKULTÄT 

DER UNIVERSITÄT IN HALLE 

ZU SEINER 

SONNABEND, DEN 21. APRIL 1888, MITTAGS 12 UHR, 
IN DER AULA DER UNIVERSITÄT 

STATTFINDENDEN ANTRITTSVORLESUNG ÜBER 
INGUAEUONES ISTTAEUONES ERMINONES 

EINLADET 

DR. OTTO BREMER. 



.73 
1 



SONDERABDKUCK AUS DEM JAHRBUCH DES VE15KINS RJ! 
NIEDERDEUTSCH K SPKAClIFOIiSCIU'Xfi Mit. 




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EINLEITUNG 



ZU EINER 



AMRINGISGH - FÖHRINGISCHEN SPRACHLEHRE 



VON 



OTTO BREMER." 



SONDERABDRUCK AUS DEM JAHRBUCH DES VEREINS FÜR 
NIEDERDEUTSCHE SPRACHFORSCHUNG XIII. 



MORDEN und LEIPZIG. 

DIEDR. SOLTAU'S VERLAG. 

1888. 



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Einer ausfuhrlichen Darstellung der auf den Inseln Amrum und 
Föhr gesprochnen Sprache schicke ich diese Einleitung voraus. Eine 
grössre Ausführlichkeit schien mir für diese einführenden Bemerkungen 
notwendig zu sein, weil wissenschaftlich für die Mundarten im west- 
lichen Schleswig bisher so gut wie nichts getan und es daher unbekannt 
geblieben ist, eine wie grosse Ausbeute die germanische Sprachwissen- 
schaft sich von der Erforschung dieser Mundarten versprechen darf. 
Es gilt daher zunächst das Interesse für diese Erforschung zu wecken 
durch eine eingehendre Einführung in die Sprachverhältnisse von Amrum 
und Föhr sowie der benachbarten Mundarten. Ich verweise im Übrigen 
auf die trefflichen Bemerkungen in Winkler's Algemeen nederduitsch 
en friesch dialecticon I, s. 70—77, 81, 83 f., 87—89, 92 f., 97—99. 

Die amringisch-föhringische Mundart kenne ich aus eigner An- 
schauung, und ich stehe für die richtige Wiedergabe der von mir ange- 
führten Worte unbedingt ein. Die Angaben über die Nachbarmundarten 
sind schriftlichen oder gedruckten Quellen entnommen. Ich war im 
Sommer 1886 auf Amrum und Föhr, dank einer mir vom preussischen 
Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal- Angelegenheiten 
gewährten Reiseunterstützung. Indem ich der preussischen Regierung 
an dieser Stelle meinen Dank für jene Beihülfe ausspreche, ergreife 
ich gleichfalls mit Freuden die Gelegenheit, die Verwaltungen der 
Bibliotheken in Hamburg, Kiel und Stralsund auch an dieser Stelle 
meines aufrichtigen Dankes zu versichern für das freundliche Ent- 
gegenkommen und die bereitwillige Unterstützung, durch welche, meine 
Arbeit wesentlich gefördert wurde. 



Verzeichnis der wichtigsten Abkürzungen. 



a., amr. = amringisch. 
aa.-f. = alt-amringisch-fohringisch. 
a.-f. = amringisch-föhringisch. 
a.-f.-h.-s. = amringisch-föhringisch-hel- 

golandisch-sildringisch . 
aengl. = altenglisch, 
afrs. = altfriesisch, 
aosdr. = aosdringisch. 
f., führ. = föhringisch. 



frs. = friesisch. 

Ged. — Mechlenburg's Gedichtsammlung 
in 5 Oktavheften, von seiner Hand, 
jetzt im Besitz des Lehrers Nerong 
in Dollerup, südöstlich von Flens- 
burg. 

germ. = germanisch. 

h., helg. = helgolandisch. 

Hs., Hdschr. = Handschrift. 



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(RECAP) 






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ingw. = ingwai wisch. 

J., Joh. — Johansen. Joh., Ndfrs. Spr. 
— Johansen, Die nordfriesische 
Sprache nach der Führinger und 
Amrumer Mundart, Kiel 1862. 

M. = Mechlenhurg, früher Pastor in Nebel 
auf Amrum. 

na.-f. = neu-amringisch-föhringisch. 



ndfrs. = nordfriesisch. 

s., sildr. = sildringisch. 

sat. = satersch. 

w., wehsdr. --= wehsdringisch. 

wang. — wangeroogisch. 

wfrs. — westfriesisch. 

ws., wests. = westsächsisch. 



In Bezug auf meine Rechtschreibung bemerke ich, dass " über 
einem Vokalzeichen die offne, " die geschlossne Länge bezeichnet; 
' neben einem Konsonanten deutet die Mouillierung desselben an; 6 
ist die stimmlose, X die stimmhafte interdentale Spirans; s ist stimmlos, 
z stimmhaft; v ist unser labiodentales w; x ist die stimmlose, y die 
stimmhafte gutturale Spirans, n der gutturale Nasal; ^ ist die stimm- 
lose palatale Spirans; ö ist kurzes geschlossnes o. Die übrigen Zeichen 
erklären sich von selbst. 



I. Das amringiseh-föhringisehe Sprachgebiet. 

§ 1. Unter amringisch-föhringisch (a.-f.) verstehn wir die 
Sprache der Bewohner der Inseln Amrum und Föhr, wie sie heute noch 
ausser in Wyk lebendig ist. A.-f. wird von ungefähr 2500 Einheimischen 

— gegen ungefähr 5000 vor 100 Jahren — und vielen Hunderten ame- 
rikanischer Auswandrer gesprochen. 

§ 2. Die Leute nennen ihre Sprache stets ömröeia und feriß, 
f e r i d wiederum vezdreu und ä o z d r i b (wester- und osterländisch). 
Nur die Schriftsteller gebrauchen schon seit Jahrhunderten in gelehrter 
Weise das Wort friesisch auch für diese Sprache. In Ä gleicher Weise 
bezeichnen sich die Leute ihrem Stamme nach als ÖmraeBsen und 
Feriiaen und werden Friesen nur von den Schriftstellern A genannt. Das 
Land heisst Omrsem (auch wohl Omrsem lun, Ömrae» lun) 
und Fer (auf Amrum Fer); gewöhnlich sagt man aber blos t lun, 
das Land. Föhr und Amrum, einstmals eine zusammenhängende Insel, 
hiessen nach dem nordfriesischen Chronisten Heimreich früher B a r g- 
harde. Die Westerharde umfasste Amrum und Westerland-Föhr, die 
Osterharde Osterland-Föhr. Neben dieser seit 1231 belegbaren Be- 
nennung begriff man gegen Ausgang des Mittelalters unter dem Namen 
Osterharde auch ganz Föhr, Amrum und Süd; im 13. Jhdt. galt nur 
Föhr und Amrum als Osterharde, Sild hingegen als Nordwesterharde. 

— Der liber census Daniae 1231 nennt die Inseln Ambrum und 
Föör, die designatio der Harden vnd Kercken in Frisia Minori 1240 
Amromon und Fora; im 15. bis Mitte des 18. Jhdts. wird Föhr 
gewöhnlich Föhr de genannt, daneben auch Föhre, Föhr. 

§ 3. Mit Unrecht hat man die Bezeichnung nordfriesisch als 
gemeinsamen Namen für alle nicht-plattdeutschen und nicht-dänischen 
Mundarten des westschleswigschen Küsten- und Insellands angewandt. 



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Die Bewohner von Amrum, Föhr, Helgoland und Süd heissen und 
hiessen nur Amringen, Föhringen, Helgolander, Sildringen. Friesische 
nennen sich und werden von jenen genannt die Bewohner der Halligen 
und des Festlands (Fastewallingen). Ebenso heisst nur die Sprache 
der letztern friesisch, jene nur amringisch u. s. w. Wir schliessen 
daher, wenn wir von nordfriesisch sprechen, die Sprache jener vier 
Inseln aus. — Vgl. Schlesw.-Holst. Anzeigen 1760, S. 8; Schlesw.- 
Holst. Provinzialberichte 1793, S. 4; Onkens Isis 1824, I, S. 52; 
Falck's Staatsbürgerliches Magazin V, 1826, S. 739; Kohl, Die Marschen 
und Inseln der Herzogthümer Schleswig und Holstein I, 1846, S. 180; 
Langhans, Über den Ursprung der Nordfriesen, 1879, S. 44; Möller, 
Das altenglische Volksepos, 1883, S. 85. 

§ 4*). A.-f. ist nicht die einzige Sprache, welche auf Amrum 
und Föhr gesprochen wird. Die Schriftsprache, Kirchen-, Schul- und 
Amtssprache ist, seit von einer solchen überhaupt die Rede sein kann, 
die plattdeutsche gewesen; erst seit zwei Jahrhunderten ist es die hoch- 
deutsche; für Amrum und Westerlandföhr galt dänische Amtssprache. 
Die Volkssprache ist auf Amrum und Westerlandföhr ausschliesslich 
a.-f.. Osterlandföhr ist zweisprachig, föhringisch und plattdeutsch. Der 
Flecken Wyk ist vollständig, Nieblum so gut wie ganz plattdeutsch. 
Die Wyk zunächst gelegnen Dörfer Boldixum und Wrixum, vor 50 
Jahren noch rein föhringisch, sind jetzt plattdeutsch geworden; nur in 
wenigen Familien wird noch föhringisch gesprochen, sonst nur von altern 
Leuten; von Schulkindern sprechen nur vier überhaupt noch föhringisch. 
Auch in den andern Dörfern des östlichen Föhr macht das Plattdeutsche 
neuerdings reissende Fortschritte. In Oevenum, wo noch zu Anfang dieses 
Jahrhunderts in der Schule föhringisch gesprochen wurde, wo vor wenigen 
Jahren der letzte Mann gestorben ist, der absolut kein Deutsch verstehn 
konnte, spricht heute bereits mehr als ein Drittel der Schulkinder 
plattdeutsch. Ähnlich sind die Verhältnisse in Midlum und Alkersum. 
Auch in Borgsum hört man schon viel Plattdeutsch. 

Die plattdeutsche Sprache ist durch die Fremden eingeführt 
worden, welche seit etwa einem Jahrhundert Föhr gradezu über- 
schwemmen und deren Zahl in annähernd dem Maasse zunimmt, als 
die der Föhringen durch Auswandrung nach Amerika abnimmt**). Die 
erste Fremdenkolonie kam nach der grossen Flut von 1634 vom alten 
Nordstrand und den Halligen. Die „Friesischen" gründeten sich in 
Wyk ein neues Heim, und dieser Zuzug der Inselfriesen hat bis heute 
fortgedauert; nach jeder grössern Flut, besonders aber 1717 — 1720, 
kamen zahlreiche Halligbewohner und zogen ausser nach Wyk auch 
vielfach nach Nieblum. So wurde hier naturgemäss plattdeutsch die 
herschende Sprache als Vermittler des Verkehrs zwischen Friesen und 
Föhringen. In Nieblum hat sich die föhringische Sprache lange ge- 
halten, und noch heute giebt es einige alte Leute, welche unter einander 

*) Vergl. hierzu Verf., Niederdeutsches Jahrbuch XII, S. 123—126. 
**) „Von den seit 1850 konfirmirten Knaben sind wenigstens 40% aus- 
gewandert." Nerong, Führ früher und jetzt, Wyk (1885), S. 42. 

1* 



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wohl noch ihr n'iblemb&rferi» sprechen. Das Nieblumer Platt tragt 
daher die Spuren des vormaligen Föhringischen viel deutlicher als 
das Wyker und erfreut sich nicht grade des besten Rufs im Lande. 
Weitres s. Niederdeutsches Jahrbuch XII, S. 125 — 129. Während 
die Einwandrung der Halligfriesen bis auf den heutigen Tag fort- 
dauert, kam der zweite Strom fremder Einwandrer zu Ausgang des 
vorigen Jahrhunderts. Die Landeinteilung 1772 — 1776 für Oster- 
landföhr, 1801- s -1802 für Westerlandföhr, wandelte das Gemeindeland 
in Sondereigentum um und machte daher mehr Kräfte zur Bearbeitung 
des Bodens notwendig, um so mehr als die föhringischen Frauen — die 
Männer waren alle zur See — bis dahin allein das Feld bestellt 
hatten. So kam eine Masse von Arbeitern aus Jütland und Nord- 
schleswig herüber, um sich auf Föhr anzusiedeln. Die Einwandrung 
der „Dänischen" hat jetzt nachgelassen. Dafür erfolgt in den letzten 
Jährzehnten ein sehr starker Zuzug von Halligfriesen, besonders seit 
der Sturmflut von 1825, aber auch von Festlandsfriesen, Bredstedtern 
und Husumern. Die „Friesischen" sprechen untereinander friesisch, 
wie die Juten jütisch, mit den Föhringen aber und zu ihren Kindern 
plattdeutsch. Jedoch auf Westerlandföhr bedienen sich die Kinder aus 
friesischer und jütischer Ehe im Verkehr mit den Föhringen ausschliesslich 
( der föhringischen Sprache. Die ganze Fremdeneinwandrung erstreckt 
sich vornehmlich auf Osterlandföhr. Bei weitem die Mehrzahl aller auf 
Föhr plattdeutsch Sprechenden ist fremden Ursprungs; in Oevenum, 
Midlum und Alkersum besteht wohl nahezu ein Drittel der Einwohner- 
schaft aus Nicht-Föhringen. Wie das Föhringische das Plattdeutsche be- 
einflusst hat, so wird in viel höherm Grade erstres durch letztres be- 
einflusst. Nicht nur, dass eine Anzahl plattdeutscher Worte von Osten 
her in das Föhringische eindringen, auch die Aussprache der einzelnen 
Laute, die Syntax büsst in dem östlichen Föhr in Folge der Zweisprachigkeit 
von Jahr zu Jahr immer mehr von ihren altföhringischen Eigentümlich- 
keiten ein. Die Sprache von Westerlandföhr und Amrum ist rein. Nur 
wenige deutsche Wörter haben hier in neuster Zeit Eingang gefunden. 
Die hochdeutsche Schriftsprache, wiewohl heute die einzige amt- 
liche Sprache, hat nicht viel Eingang gefunden. Verstanden wird 
hochdeutsch jetzt überall. Geläufig sprechen können es aber, wenigstens 
auf Westerlandföhr und Amrum fast nur die Männer, welche in der 
Welt gewesen sind. Die Frauen antworten, hier auf hoch- wie platt- 
deutsche Frage föhringisch und amringisch und bequemen sich erst 
dann dazu, ihre hochdeutschen Schulerinnrungen wieder wach zu 
rufen, wenn anders keine Verständigung möglich ist; denn hoch- 
deutsch zu sprechen ist ihnen gradezu eine Anstrengung. Doch 
verstehn sie und sprechen das auf der Schule erlernte Hochdeutsch 
noch besser als plattdeutsch, welches den Wehsdringen fast unbekannt 
ist. Sie sprechen sogar, wenn sie nach dem rein plattdeutschen 
Wyk kommen, ihr föhringisch, und vielen altern Frauen ist es 
gradezu unmöglich, deutsch zu sprechen, wenn sie es auch so einiger- 
maassen verstehn. 



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Das Friesische hat, soweit ich sehe, keinen Einfluss auf die Volks- 
sprache gehabt, mehr das Dänische, das bei den altern Männern noch 
gut bekannt ist. Der gebildete Föhringe und Amringe -beherrscht 
und spricht 5 Sprachen vollkommen : föhringisch bezüglich amringisch, 
plattdeutsch, hochdeutsch, dänisch und englisch. 



IL Verwantsehaftsverhältnisse des Amringiseh- 
Föhringischen. 

§ 5. Seinen Verwantschaftsverhältnissen nach bildet das Am- 
ringisch-Föhringische einenZweig des sogenannten in gwaiwischen oder 
anglo-friesischen (ingw.) Sprachstamms,' d. h. derj enigen altern Sprach- 
einheit, aus welcher später das Englische, das Sildringisch-Helgo- 
landisch-Amringisch-Föhringische, das Nordfriesische und das Ost- 
und Westfriesische hervorgegangen sind. Seinen nächsten Verwanten 
hat es im Helgolandischen, demnächst im Sildringischen. 

§ 6. Der Unterschied zwischen der Sprache von Helgoland und 
der von Amrum und Föhr ist nicht so bedeutend, dass nicht der 
Amringe den Helgolander verstünde. Dagegen der Sildringe ver- 
ständigt sich mit dem Amringen und Föhringen besser auf plattdeutsch. 
Für den früher nähern Zusammenhang von Helgoland mit Amrum- 
Föhr, der jetzt ganz und gar aufgehoben ist, ist es sehr lehrreich, 
was Petrus Sax, Beschreibung der Insul Helgoland 1636 (abgedruckt 
Dänische Bibliothek VIII, Copenhagen 1746, S. 505—564), sagt, dass 
die Helgolander mit den Föhringen „sonst gute correspondence ge- 
halten, und sich mit ihnen beschwägert, inmassen ich solches auch 
einem alten Documento, 1843. am Tage Dionysii datiret, wahrgenommen 
habe"; er sagt ferner, in alten lateinischen Testamenten war „von 
Wischen und Weyden auf Helgoland gedacht und von Föhr auf S. Jo- 
hannis Kirchen und deren Altäre gelautet". — Die Sprache von Hel- 
goland, heute vom Plattdeutschen bereits durch- und zersetzt, nimmt 
eine mittlere Stellung ein zwischen amringisch-föhringisch und sil- 
dringisch. 

§ 7. Ein bisher gewöhnlich stillschweigend angenommner, näherer 
ursprünglicher Zusammenhang der Sprachen von Amrum, Föhr, Hel- 
goland und Sild mit dem Nordfriesischen ist nicht zu erweisen; gleich- 
wohl hat die Jahrhunderte hindurch bestehende Verkehrsgemeinschaft 
eine grosse Anzahl sprachlicher Übereinstimmungen zur Folge gehabt. 

§ 8. Die wichtigsten Merkmale aus der Lautlehre des Amr.- 
Föhr. gegenüber der des Helg. und Sildr. und der des Ndfrs. mögen 
hier zur Sprache kommen. 

A) Das A.-F. teilt mit dem Helg. und Sildr. folgende Eigen- 
tümlichkeiten, abweichend vom Nordfries.: 

1) Germ, e ist a.-f.-h.-s. in offner Silbe diphthongiert worden 
zu a. ise, daraus f. ie, h. iä, s. i. Z. B. a. slisep schlafen, f. sliep, 



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h. sliäp, s. slip; a. viaet nass, f. viet, h. viät, s. vit; a.-f. hier 
Haar, h. hiär, 's. hir. Im Nordfries, entspricht e, ei, e: sleipe, 
vet>, her, heir. Vgl. wangeroogisch sleip, veit, her, satersch slepe, 
vet, her, westfries. sliepe, wiet, hier. 

2) Der i-Umlaut von germ. au ist a.-f.-h.-s. in offner Silbe 
gleichfalls zu a. ise, f. ie, h. iä, s. i geworden. Z. B. a.-f. hier hören, 
h. hiär, s. hir; a. lisesi lösen, f. liesi, s. lise. In diesem Fall ent- 
spricht ndfrs. i, i: hire, lise. Vgl. jedoch wang. her, leiz, sat. here, leze. 

3) Germ, sowie i-umgelautetes ai hat die gleiche Entsprechung. 
Z. B. a. sdisen Stein, f. sdien, h. stiän, s. stin; a.-f. lier Lehre, 
h. liär, s. lir. Hier entspricht gleichfalls ndfrs. i, i: stin, stin', 
lire. Vgl. wang. stein, 1er, sat. sten, lere, westfrs. stien. 

Im A.-F.-H.-S. sind also diese 3 ursprünglich verschiednen Laute 
in einen Laut zusammengefallen, welcher in geschlossner Silbe noch 
als offnes e erhalten ist. Im Ndfrs. dagegen trifft dies nur für Fall 
2 und 3 zu, und hier ist ein geschlossnes e vorauszusetzen. Dem 
germ. e entsprach ndfrs. zunächst ein offnes e. 

4) Germ, au in offner Silbe wird vor Dentalen und Alveolaren 
diphthongiert zu s. 6a, daraus a. üse, daraus f. üe, h. uä. Z. B. 
s. doaö Tod, a. düses, f. düeö, h. duäd; s. loan Lohn, a. lüsen, 
f. lüen, h. luän; s. road rot, a. rüsed, f. rüed, h. ruäd. Im Ndfrs. 
entspricht nördlich ü, südlich ü, u, also düs: du6, dus; lün': lun; 
rüd': rüd, rud. Vgl. wang. d60, rod, sat. dod, Ion, rod, westfrs. 
dead, lean, rea. 

5) Germ, a -f- 1 -+• Kons, hat die gleiche Entsprechung. Z. B. 
s. 6al$ alt, a. üael, f. üel; s. hoalS halten, a. hüael, f. hüel. Ndfrs. 
ül>: ül, ul; hül'e: hüle. Vgl. wang. 61, hol, sat. old, holde, westfrs. 
oad, hade. 

In beiden Fällen ist a.-f.-h.-s. noch offnes ö in geschlossner Silbe 
erhalten. Ndfrs. ü aus ü setzt ein geschlossnes 6 voraus. 

6) Germ. 6, desgleichen ingw. 6 aus germ. e vor n und aus germ. 
a vor n -H x, s, 6, f ist a.-f.-h.-s. zu u, ü geworden (sildr. auch ö). 
Z. B. a.-f.-h.-s. hud Hut; a.-f. luki sehn, h.-s. luke; a.-f. brudr 
Bruder, h. brür, s. bröSer; a.-f.-h.-s. mün Mond. Im Nordfrs. ent- 
spricht 6, äu, ö, öu, eü: höd', heüd'; loke, läuk; broer, bräuzer, 
bröuda; mon, mäun, möune. Ostfrs. 6, äu, westfr. oe, oa. 

7) Germ, a -H m, n -h Kons, hat die gleiche Entsprechung. 
Z. B. a.-f.-h. lun Land, s. lönS. Ndfrs. Ion, lön', leün'; ostfr. 6, äu. 

8) Germ, o -+- r, 1 -+- Kons, hat dieselbe Entsprechung. Z. B. 
a.-f. vurd Wort, h. vur, s. urd. Ndfrs. ürd, urd mit ü, u wegen 
des v, sonst 6, äu, ö, z. B. hörn, häurn, hörn Hörn. Ostfr. 6, 
wfrs. oe, oa. 

9) Der i-Umlaut von germ. ü ist helg. ü, a.-f.-s. i gegenüber 
nordfrs. e, ei, e. Z. B. h. brüd Braut, s. brid, a.-f. brid'; h. hüd 
Haut, s. hid, a.-f. hid r ; h. füst Faust, a.-f. fist; h. skül Schuld, 
a.-f.-s. sgih Ndfrs. breid, breid, bred r ; hed, heid, hed'je; 
fest; skel r , gel'. Vgl. wang. breid, heid, fest, sxil, sat. bred, hed, 



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fest, syelde, wfrs. breid, fest, schild. Während a.-f.-s. iaufhelg. 
ü zurückgeht, ist der Laut im Ndfrs. mit dem e für germ. e (s. oben 1) 
zusammengefallen. Das Gleiche gilt für 

10) den i-Umlaut von 6, vgl. z. B. ndfrs. seke, seike suchen, 
gren, gren' grün, svet' süss, während a.-f.-h.-s. der i-Umlaut des 6 
mit keinem andern Laut zusammengefallen ist: a.-f. s'ük, s. s'uk, 
a.-f.-h. gren, a.-f.-h.-s. svet. Vgl. wang. seik, yrein, sveit, sat. 
seke, gren, svet, wfrs. sijkje, grien, sviet. 

11) Das A.-F.-H.-S. kennt die westsächs. Diphthongierung nach 
Palatalen, welche dem Ndfrs. fremd ist. S. § 9,6. 

B) Das A.-F. teilt mit dem Helg. folgende Eigentümlich- 
keiten, abweichend vom Sildr., in teilweiser Übereinstimmung mit dem 
Nordfriesischen : 

1) Germ, u ist sildr. als u erhalten, a.-f. und h. zu o geworden. 
Z. B. s. jub jung, a.-f.-h. Job; s. tu» Zunge, a.-f.-h. t ob. Im nörd- 
lichen Nordfriesland sagt man jub, tu», im südlichem Job, toB. Vgl. 
wang. tuB, sat. tiue, wfrs. tonge. __ 

2) Germ, iu ist im Auslaut a.-f. und h. zu ei (aosdr. sei), s. aber 
zu i geworden. Z. B. a.-f.-h. nei (aosdr. nsei) neu, s. ni; a.-f.-h. 
sei (aosdr. siei) nähen, s. si. Ebenso z. B. a.-f.-h. sbei (aosdr. 
sbäii) speien, s. spi. Ndfrs. heisst es nei, seie, speie. Vgl. wang. 
ni, si, spi, sat. ne, se, spe, wfrs. ny, spie. Ebenso ist 

3) Germ, iy a.-f.-h. und ndfrs. zu ei, s. zu i geworden. Z. B. 
a.-f.-h. 1 ei liegen (aosdr. 1 sei), ndfrs. lei, leie (neben lede, lade aus 
westgerm. ligg-), s. li. Ost- und westfrs. nur lidz, lezze, lizze aus 
afrs. lidzia aus westgerm. liggian. 

4) Germ, ay und ey sind a.-f.-h. zu äi (wehsdr. äi, öi, aosdr. 
äoi) geworden, s. zu ei. Z. B. a. und h. mäi mag, s. mei; a. näisel 
Nagel, h. näiel, s. neil; a. und h. väi Weg, s. vei. Im Ndfrs. steht 
ei: mei, neil (nejel), vei. Vgl. wang. mi, nil, vi, sat. mej, nejl, 
vai, wfrs. mey, neylle, wey. 

5) Anlautendes v vor ü schwindet sildr., ist aber a.-f. und h. 
erhalten. Z. B. a.-f. vurd Wort, h. vur, s. ürd. Aber vor u bleibt 
v auch sildr., z. B. s. vuk weich, a.-f.-h. vok. Im Ndfrs. schwindet 
v in der Widingharde, Bökingharde und Karrharde auch vor u, also 
nicht nur urd, ürd, sondern auch uk, ük = südlicherm vox. Dem 
Ost- und Westfrs. ist dieser Lautwandel unbekannt. 

6) Germ, nd, ld ist sildr. als no, IS erhalten, während es a.-f. 
und h. zu n', n, 1', 1 geworden ist. Z. B. s. sün& gesund, a.-f. 
sün', h. sün; s. hün^Hund, a.-f. hün', h. hün; s. lön& Land, a.-f.-h. 
lun; s. vilS wollte, a.-f.-h. vul; s. jilS Geld, a.-f.-h. jil. Ndfrs. 
überall n und 1, ebenso wang., aber sat. nd, ld, wfrs. n, aber ld. 

C) Das A.-F. teilt mit dem Nordfrs. folgende Eigentümlich- 
keiten, abweichend vom Helg.-Sildr. : 

1) Germ, i in geschlossner Silbe ist h.-s. zu e, a.-f. zu a (aosdr. sb) 
geworden (vgl. § 15, 4), ndfrs. nördlich zu e, südlich zu a. Z. B. 
h.-s. skep Schiff, a.-f. sgap, (aosdr. sgaep), ndfrs. skep, skap, §ap; 



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8 

h.-s. fesk Fisch, a.-f. fask (aosdr. fsesk), ndfrs. fesk, fask; h.-s. bed 
bitten, a.-f. bad (aosdr. b*ed), ndfrs. bede, bade. Ost- und westfrs. 
sxip, syipj schip, fisk, bid, bide, bidde. 

2) Germ, au in offner Silbe ist vor p, b, v, m, y? x a.-f. «u ü 
geworden wie im Ndfrs., h.-s. aber zu 6 (aber helg. duäf taub, 
struäm Strom, buäm Baum). Z. B. a.-f. und ndfrs. üy Auge, h.-s. 
6y; a.-f. kup* Kauf, ndfrs. küp, kup, h.-s. kop. — Ebenso stimmt 
die a.-f. Behandlung des auslautenden au zu der ndfrs.: a.-f. und ndfrs. 
släu schlagen, aber h.-s. slo. — Wang. u. sat. 6y (oyen), kop, slo, 
wfrs. eag, keap, slaen. 

3) Nach langem Vokal werden k, t und p in der Stellung vor 
Vokal oder im Auslaut a.-f. wie ndfrs. stimmhaft und sind als stimmlos 
nur helg. und sildr. .erhalten. Z. B. s. möke machen, h. make: a. 
mäyi (wehsdr. mäyij möyi, aosdr. mäoyi), ndfrs. mäye, möye; 
s.-h. veter Wasser: a.-f. vedr, ndfrs. vözer, vöder, vöer; s. ipen 
offen, h. epen: a.-w. ebm, aosdr. eben, ndfrs. eben, ebm, em, emen. 
Vgl. wang. maki, vater, ipin, sat. makje, vater, epen, wfrs. 
maaikje, wetter, iepen. 

D) Das A.-F. teilt sowohl mit dem H.-S. als mit dem Ndfrs. 
folgende Eigentümlichkeiten, abweichend vom Ost- und Westfrs.: 

1) Im Ost- und Westfrs. sind folgende Laute in ein geschlossnes 
e (wang. ei, sat. e, wfrs. ie) zusammengefallen: germ. e (s. A, 1), 
ai (s. A, 3), 6 + i (s. A, 10), ü -f- i (s. A, 9), au -|- i (s. A, 2). 
Das A.-F.-H.-S. setzt dagegen für germ. e, ai und au -+- i ein offnes 
e voraus, für ö — |— i und ü -f- i ein 8 und ü. Das Ndfrs. setzt für 
germ. e, 6 -|- i und ü -f- i zunächst ein geschlossnes e voraus; da 
aber germ. ai und au + i zu i geworden sind, also auch ein ge- 
schlossnes e zur Voraussetzung haben, so muss, zu der Zeit, als es 
hier e hiess, es dort noch kein geschlossnes e gegeben haben, mithin 
e, 8 und ü. Als dem A.-F.-H.-S. und Ndfrs. gemeinsam gewinnen wir 
so e, 8 und ü, während ai und au + i hier zu e, dort zu e ge- 
worden sind. Vgl. Möller, Das altenglische Volksepos, S. 85. 

2) Von Alters her gemeinsam ist dem A.-F.-H.-S. mit dem Ndfrs. 
die verschiedne Behandlung des germ. au = afrs. ä, j§ nachdem ein 
Alveolar und Dental oder ein Labial und Guttural folgte, s. A, 4 und 
C, 2. Dass afrs. ä überall gleich ausgesprochen wurde, zeigen die 
neufries. Mundarten: wfrs. de ad, lean, rea wie eag, keap, wang. 
und satersch död (d66), Ion, rod, 6y, kop. 

3) Germ, ü, desgleichen die ingw. Dehnung des germ. u, ist 
im West- und Ostfrs. erhalten geblieben, a.-f. -h.-s. und ndfrs. aber 
zu ü, ü geworden. Z. B. wfrs. huwz Haus, sat. hüz, wang. hüs: 
a.-f. -h.-s. hüs, ndfrs. hüs, hös; wfrs. moerre Mauer, sat. müre, 
wang. mür: a.-f.-h.-s. mür, ndfrs. mör, m8r; wfrs. bruwcke gebrauchen, 
sat. brüke, wang. briik: a.-f.-h.-s. brük, ndfrs. bröke; afrs. müth 
Mund: a.-f.-h.-s. müö, raus, müt, ndfrs. müs, mos; wfrs. huwn Hund, 
sat. hünd, wang. hün: a.-f.-h.-s. hünS, hün, hün', ndfrs. hün, hön. 

4) Germ, eö ist a.-f.-h.-s. und ndfrs. meist zu i, ji, i geworden. Z. B. 



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9 

a.-w. t'^'in zehn, aosdr., sildr. und ndfrs. tin; a. sini dienen, f. tini, 
h.-s. und ndfrs. tine; a.-f.-s. s'it schiessen, ndfrs. skit'je, sit'je. 
Die neuost- und -westfrs. Formen beruhn auf afrs. iä, ie: wang. tjon, 
öjon, sxjot, sat. tjon, tjonje, syjote, wfrs. tjien, tjienje, sjiette. 

5) Der i-Umlaut von germ. u ist helg. ö, s. e, a.-f. a (in ge- 
schlossner Silbe). Z. B. h. rög Rücken, s. rey, a.-f. ray (aosdr. rsey); 
h. sön Sonne, s. sen, a.-f. san (aosdr. ssen). S. e und' a.-f. a weisen 
auf i zurück (s. C, 1); dies i geht mit helg. ö auf ü zurück, vgl. 
h. ü, a.-f.-s. i aus ü (s. A, 9). Ndfrs. reg (reg), sen, san weisen 
gleichfalls auf i (s. C, 1), das aus ü zu verstehn ist. Im Ost- und 
Westfrs. steht e; nur im Wang. ist i der entsprechende Laut, z. B. 
wang. rig (Cadovius-Müller rigg): sat. reg, wfrs. reg; wang. slitin 
geschlossen: sat. sletn, wfrs. sletten. Diese Übereinstimmung des 
Harlingischen und Wang. mit den nordalbingischen Mundarten ist be- 
sonders beachtenswert. 

6) Das afrs. Lautgesetz 6a: uä (vgl. oben unter 4 afrs. iä 
aus ia) ist dem A.-F.-H.-S. und Ndfrs. unbekannt. Wfrs. dwaen tun, 
sat. dvo, wang. do (aus *dvo) beruhn auf afrs. duä. Aber a.-f. du, 
s. dö, ndfrs. däue, döue gehn, wie die unter A, 6 angeführten Bei- 
spiele zeigen, auf *don (aus *doan) zurück = aengl. don. 

7) Die Verkürzung des i, Ü und ü in geschlossner Silbe ist dem 
West- und Ostfrs. unbekannt, aber sowohl im A.-F.-H.-S. als im 
Ndfrs. durchgeführt. Z. B. a.-f. tid' Zeit, h.-s. tid, ndfrs. tid: wang., 
sat. tid, wfrs. tijd; a.-f. -h.-s. hüs Haus, ndfrs. hüs, hös: wang. 
hüs, sat. hüz, wfrs. huwz. Diese Verkürzung ist im A.-F.-H.-S. 
und im Ndfrs. freilich nur teilweise in gleicher Weise durchgeführt, 
weil zur Zeit, als dies Gesetz wirkte, die Vokale verschieden verteilt 
waren. Z. B. a.-f. -h.-s. hud Hut: ndfrs. höd, heüd': wang. häud, 
sat. hod; h. brüd Braut, s. brid, a.-f. brid': ndfrs. bred', breid, 
breid: wang. breid, sat. bred, wfrs. breid. 

8) Nach i ist auslautendes t, d, 1 und n im A.-F.-H.-S. und im 
Ndfrs. mouilliert worden. Z. B. s. lit' klein, h.-a.-f. let', ndfrs. let', 
lat': wang. litk, sat. litik, wfrs. lijts; s. vinX Wind, h. vin, a.-f. 
vin', ndfrs. vin, ven: wang. vin, sat. vind, wfrs. wijn; a.-f.-s. sgil' 
Schuld, h. skül, ndfrs. skel', §el': wang. sxil, sat. syelde, wfrs. 
schild. Diese Mouillierung ist freilich im A.-F.-H.-S. grossenteils anders 
verteilt als im Ndfrs., weil die Chronologie des i hier anders ist als 
dort; vgl. z. B. ndfrs. bin' Band: a. biaen, f. bien, h. biän, s. bjen. 
Das Beispiel „Wind" und „Schuld" zeigt, dass die Mouillierung nicht 
einmal im A.-F.-H.-S. gleichmässig verteilt ist: h. skül konnte wegen 

/ des ü (s. A, 9) gar nicht von der Mouillierung betroffen werden, 
s. vinS nicht wegen des S, und für h. vin ist wegen der mangelnden 
Mouillierung noch *vind vorauszusetzen, als man a.-f. schon *vin sagte. 

§ 9. Über das Verhältnis des A.-F.-H.-S. zu den englischen Mund- 
arten bemerke ich Folgendes: 

1) Das Kentische steht in keiner nähern Beziehung zum A.-F.-H.-S. 
oder Ndfrs.; denn die Haupteigentümlichkeit des Kent., e und e für 



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10 

den i-Umlaut von germ. u und ü, wird, wie § 8 A, 9 und D, 1 und 5 
gezeigt ist, hier nicht geteilt. — Auslautendes germ. y ist zwar 
a.-f.-h.-s. und ndfrs. wie ost- und westfrs. zu i geworden, wie im Ken- 
tischen und im spätem Englisch überhaupt; für eine ältste Sondrung 
der ingw. Mundarten kann diese Erscheinung aber nicht in Betracht 
kommen. 

2) Der übereinstimmende Abfall des auslautenden n im Northum- 
brischen, A.-F.-H.-S., Ndfrs. und Ost- und Westfrs. beweist nichts für eine 
nähere Beziehung des Northumbrischen zu den letztgenannten Sprachen. 

3) Die § 8 unter D, 1 gegebnen Hinweise ergeben a.-f.-h.-s. e für 
germ. e, ai und au -|- i, aber ndfrs. e für germ. e und ndfrs. e für 
germ. ai und au -|- i; da nun ai: e die Zwischenstufe e voraussetzt, 
so ergiebt sich für die ältste Zeit ndfrs. je für germ. e und e für ai 
und au + i. Beide Mundarten weichen von allen englischen Mund- 
arten in der Behandlung des ai ab, hier ä, dort e. Während für das 
A.-F.-H.-S. nicht auszumachen ist, wann das für germ. e als ingw. vor- 
auszusetzende äe mit dem e aus germ. ai und au -+- i zusammengefallen 
ist, so ist erweisbar nur für das Ndfrs. die Übereinstimmung mit 
dem westsächs.; ndfrs. und westsächs. sind die einzigen ingw. Mund* 
arten, welche nachweislich germ. e und germ. au -f- i nicht in einen 
Laut haben zusammenfallen lassen. — ö und ü, 8 und ü bestanden im 
ältsten A.-F.-H.-S. und Ndfrs. wie im ältsten Engl, ausser dem Kentischen. 

4) Alle englischen Mundarten haben germ. au zu ea gemacht. 
Dass das a.-f.-h.-s. üse, üe, uä, 6a und ndfrs. ü für germ. au (§ 8, 
A, 4 und C, 2) auf ä zurückgeht, beweist das Wort „Pfahl": a. püsel, 
f. püel, h. puäl, s. poal, ndfrs. pul. Dass dieses ä nicht aus ea ent- 
standen sein kann, beweist der Gegensatz von z. B. a. sgüset Schoos 
und s'üer Scheere, letztres aus *sjüer aus *skjüer aus *skjär 
aus *skeär, s. unten 6); geht s' auf skj zurück, so beweist das sg 
von sgüset ein ursprüngliches ä. 

5) Die Brechung des a ist im A.-F.-H.-S. und Ndfrs. nur vor r, 
nicht vor 1 eingetreten, wie im Ost- und Westfrs. und im Anglischen. 
Z. B. aengl. earm Arm, afrs. erm, wfrs. earem, sat. erm, wang. 
erem, ndfrs. erem, eirm, a. iersem, f. ierem, h. iärm, s. jerem; 
aber w T estsächs., kent. healdan halten: angl. häldan, afrs. hälda, 
wfrs. hade, sat. holde, wang. hol, ndfrs. hül'e, hüle, hüle, a. hu sei, 
f. hüel, s. hoalS. 

6) Von allen ingw. Mundarten ist nur im Westsächs. und A.-F.-H.-S. 
die Diphthongierung durch Palatale eingetreten, z. B. nichtwestsächs. 
ger Jahr, afrs. ier, wfrs. jier, sat. und wang. jer, ndfrs. j er, jir, ir: 
wests. gear, a.-f. jüer, h. juär, s. jör. Diese Übereinstimmung ist 
darum von ganz besondrer Wichtigkeit, weil wir in der glücklichen 
Lage sind die Zeit dieser Diphthongierung bestimmen zu können: 
Westsächs. ciese Käse kann zur Zeit, als die Diphthongierung ein- 
trat, noch nicht das i- Umlauts -se gehabt haben, weil aus *caese ein 
*cease geworden wäre, wie *sciep Schaf zu sceap geworden ist; *cäsi 
kann das Wort damals auch nicht mehr gelautet haben, weil von der 
Diphthongierung nur die breiten Vokale ae, äe, e, e betroffen worden sind; 



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11 

folglich muss aus westgerm. *käsia zunächst *ceasia geworden sein, 
hieraus erst die umgelautete Form ciese. Dieselbe Zeitbestimmung 
ergiebt ein andrer Gesichtspunkt: Das aengl. se, welches für germ. e 
steht, wird von der Diphthongierung betroffen, nicht aber das- 
jenige se, welches i-Umlaut von ä aus germ. ai ist. Es bleibt also 
das se z. B. von gsed „er geht" unverändert. Folglich kann in letzterm 
Falle zur Zeit der Diphthongierung noch kein se bestanden haben, auch 
nicht einmal der zwischen ai und a& etwa mögliche Mittellaut sei, see; 
denn auch dieses se hätte sonst diphthongiert werden müssen. Es 
folgt also, dass zur Zeit unsres Gesetzes ai noch gar nicht umgelautet 
gewesen sein kann, sei es nun, dass es damals schon ä oder noch 
ai lautete. Aengl. gaed lautete also noch *yäöi oder *yaiöi, als die 
Diphthongierung eintrat, und wir kommen damit für die Zeitbestimmung 
der letztern in eine Zeit hinauf, die wir noch als westgerm. zu be- 
zeichnen pflegen; denn das auslautende i von *yaiöi fiel bereits 
gemeinwestgermanisch ab. Vgl. Sievers, Paul und Braune, Beitr. IX, 
206 f. und Brate, daselbst X, 24 f. Um so merkwürdiger ist es, dass 
das A.-F. grade in dem einen Beispiel mit dem Westsächs. überein- 
stimmt, welches vorläufig nur als eine Ausnahme von der Regel 
betrachtet werden kann, dass der i-Umlaut von germ. ai keine Diph- 
thongierung erfährt: „Die Scheide", germ. *skaiöio, heisst nämlich 
ws. skead, und auf dieselbe Grundform geht a. s'üses, f. s'üeö, 
s'ües zurück. Die Beispiele für germ. a weisen a.-f.-h.-s. auf ad 
zurück, vor welchem sk erhalten ist, z. B. a.-f. sgel Schale = ws. 
scealu; . hieraus ist also nicht zu entnehmen, ob eine Diphthon- 
gierung stattgefunden hat. Der i-Umlaut dieses se ist aber s. e, h. 
e (e), a.-f. in offner Silbe e, in geschlossner a, mithin nach § 8 C, 1 
ursprünglich i, z. B. — ich führe der Einfachheit wegen nur die a.-f. 
Beispiele an — sgal Schale, sedl Kessel = ws. sciell, cietel. Bei- 
spiele für ingw. äe sind a.-f. jüer Jahr, s'üer Scheere — helg. freilich 
skiär aus *sker — ; das s' von s'üer ist altes sj aus skj, beweist 
also (vgl. oben 4) eine Grundform * skiär. Hierher gehören auch die 
Fälle, in welchen das aus germ. a diphthongierte ea vor r -f- stimmh. 
Kons, gedehnt worden ist, z. B. a.-f. jüern Garn, h. juärn, s. Jörn = 
ws. gearn; hier beweist das j ein altes iä; denn vor ä steht g*). 
Das einzige mir bekannte Beispiel für den i-Umlaut ist ws. ciese 
Käse. Man sollte, wie einem ws. ie a.-f.-h.-s. ursprgl. i entspricht, 
hier i für ws. ie erwarten; doch a.-f. sez weist auf ursprgl. *kise mit 
kurzem i hin, helg. siz dagegen auf *kise. Beispiele für die Diph- 
thongierung eines germ. e sind a.-f. jiv geben, jil Geld, gelten, jin 
gegen, jistr gestern; das i geht zunächst auf langes i zurück; dies 
aber ist aus i erst durch den Einfluss des voraufgehenden j entstanden. 
Also i entspricht ws. ie in Beispielen wie giefan**). 



*) a.-f. güerd Garten, h. guäd wirddän. gaard entlehnt sein; Lathgaarth 
1360 auf Föhr (Michelsen, Nordfriesland im Mittelalter, .S. 193). 

**) Wenn ich auf Grund dieser hervorragend alten Übereinstimmung des A.-F.- 
H.-S. mit dem Westsächs. beide Sprachen in eine besonders nahe Beziehung zu 



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12 

III. Die amringiseh-föhringisehen Mundarten. 

§ 10. Das Amringisch-Föhringische ist keine ganz einheitliche 
Sprache, sondern besteht aus den verschiednen Mundarten der ein- 
zelnen Dörfer. Dem genauen Beobachter zeigen sich von jedem Dorfe 
zum andern bereits Unterschiede, und seien dieselben auch noch so 
geringfügig; sie erstrecken sich auf alle Gebiete der Sprache, auf 
Mundstellung, Lautgesetze, Analogiebildungen, Syntax, Stilistik, Fremd- 
wörter. 

Im Allgemeinen aber kann man wenigstens von zwei innerhalb 
ihres Gebiets einheitlichen Mundarten sprechen: der amringischen 
und wehsdringischen. Erstre wird gesprochen in Sdisenöd: Stenodde, 
bi Sftz (im Süden): Sösärap: Süddorf, Nebel: Nebel, bi Nüad (im 
Norden): Nörsärap: Norddorf, letztrein Ödersem: Utersum, Dunöem: 
Gross- und Klein-Dunsum,_01ersem: Oldsum, Klantem: Klintum, 
Taftem: Toftum, Sölerän': Süderende und in Hedehüzem: Hede- 
husum, wiewohl in der Mundart des letztern Dorfs sich schon aosdrin- 
gische Einflüsse geltend machen. Die wehsdringische Mundart hält 
die Mitte zwischen der amringischen und aosdringischen, hat mit 
erstrer eine Reihe ältrer, mit letztrer eine Reihe neuerer Lautgesetze 
gemeinsam, derart, dass man heute von einer föhringischen Mundart 
gegenüber der amringischen spricht, früher es aber nur eine östliche 
und eine Amrum mit einbegreifende westliche Mundart gab. 

Die Mundart des östlichen Föhr ist keine einheitliche. Zunächst 
sind die östlichsten Dörfer Büelaysem: Boldixum und Vrseksem: 
Wrixum auszuscheiden, welche eine Mundart für sich haben. Das 
übrige Aosd ringisch zerfällt in eine südwestliche und eine nordöst- 
liche Hälfte. Vizem: Witsum, BoraY sem: Borgsum und Güetiß: 
Goting müssen zusammengefasst werden, wiewohl in jedem Dorf etwas 



einander setze, so kann ich diese Behauptung durch 2 geschichtliche Zeug- 
nisse stützen. Ptolemaios kennt die Sa^ovs; nicht nur in Holstein; er kennt als 
sächsisch auch drei Inseln an der Eibmündung. [Vgl. Niederdtsch. Jahrbuch XII, 
S. 33.] Dass mit einer dieser Inseln Helgoland gemeint ist, kann nicht zweifelhaft 
sein. Für die beiden andern Inseln können von den heute bestehenden Inseln nur 
Amrum, Föhr und Sild in Betracht kommen; denn die heutigen nordfriesischen 
Inseln waren im 13. Jhdt. nachweislich noch Festland; Föhr und Amrum bildeten 
ehemals nur eine Insel. Diese Inselgruppe war also nach Ptolemaios von Saxen 
bewohnt. Wir haben damit für die beiden nächstverwanten Mundarten in England 
und Deutschland denselben Namen Saxen gewonnen. Das zweite Zeugnis bietet 
Nennius § 63. Er erzählt zum Jahre 627 von der Taufe einer englischen Völker- 
schaft, die er nennt „omne genus Ambronum, id est Aldsaxonum". Der Gau Ammeri 
an der linken Unterweser wird für diese Ambrones kaum in Betracht kommen, 
folglich wohl die Insel Amrum, als deren ältster Name Ambrum 1231 überliefert ist. 
Also dürfen wir schliessen, dass jene englischen Ambrones aus Amrum eingewandert 
waren, und dass die Bewohner von Amrum als Sachsen galten. Vgl. Möller, Das 
altengl. Volksepos, S. 91 und 89. Ich nehme daher an, dass die Sildringen, Hel- 
golander und Amring-Föhringen Nachkommen desselben Volkes sind wie die Sachsen 
in England und schlage als gemeinsame Bezeichnung des A.-F.-H.-S. den Ausdruck 
„nordsächsisch" vor. 



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n 

anders gesprochen wird. Die geringen Reste des Föhringischen in 
N'iblem: Nieblum bilden die zweite Unterabteilung dieses südwest- 
lichem Aosdringischen. o Das nordöstliche Aosdringisch wird fast ganz 
gleich^ gesprochen in Aolkersem: Alkersum, M aedlem: Midlum 
und Övenem: Oevenum. 

§ 11. Wenn ich von Osterlandföhr und Westerlandföhr, von 
aosdringisch und wehsdringisch rede, so verstehe ich darunter immer 
die sprachliche, nicht die politische Zweiteilung. Es muss dies 
darum besonders hervorgehoben werden, weil die politische Grenze 
mit der Sprachgrenze nicht zusammenfällt. Jene durchschneidet 
Nieblum; diese läuft zwischen Witsum-Borgsum auf der einen und 
Hedehusum-Süderende auf der andern Seite. Bis 1864 gehörte das 
politische Osterlandföhr zu Schleswig-Holstein; Westerlandföhr mit 
Amrum stand seit dem 14. Jhdt. unmittelbar unter der dänischen 
Krone. Schon 1231 scheidet Waidemars liber census Daniae Ostser- 
und Wsestserhseret auf Föör. Diese politische Hardenteilung besteht 
in Deich-, Wege- und Landschafts-Angelegenheiten noch heute. Das 
Volk versteht unter Wehsdringen nur die westlich der Sprachgrenze 
Wohnenden. Diese nennen ihre Nachbarn jenseits derselben Aosdringen. 
Von diesen wiederum nennen die südwestlichem ihre nordöstlichen 
Nachbarn Aosdringen, und diesen wiederum gilt Wrixum und Boldixum 
als üest xät' sEo^v. Die Sprachgrenze ist zugleich die Grenze zweier 
Kirchspiele, also jedenfalls gleichen Alters mit der Gründung der 
Kirchen, die ins 12. Jhdt. fällt. Die politische Grenze durchschneidet 
nicht nur ein Kirchspiel, sondern sogar ein Dorf, kann also durch 
Verkehrsverhältnisse nicht bedingt worden sein. In ihren heutigen 
Grenzen besteht die politische Oster- und Westerharde (letztre ein- 
schliesslich Amrum) urkundlich nachweisbar seit 1408 (Nerong, Föhr 
früher und jetzt, Wyk (1885), S. 81), aller Wahrscheinlichkeit nach 
jedoch seit 1231. Unter den jetzigen Bewohnern von Hedehusum ist 
kein einziger, der sein Haus von seinen Voreltern ererbt hätte; alle 
sind erst in neuerer Zeit zugewandert. Doch lässt sich annehmen, 
dass von Alters her die Grenze zwischen Hedehusum und Witsum lief. 

§ 12. Wenn ich sage, einem Dorfe ist diese oder jene Mundart 
eigen, so ist tatsächlich nur die Minderheit der Dorfbewohner im 
Vollbesitz aller jener Eigentümlichkeiten, welche diese Mundart aus- 
machen. Denn nur wenige Leute giebt es, deren Eltern und Gross- 
eltern beiderseits in demselben Dorf geboren sind. Bei der grossen 
Mehrzahl stammt Vater oder Mutter, Grossvater oder Grossmutter 
aus einem benachbarten Dorf, und somit sprechen die Kinder und 
Enkel die Mundart ihres Geburtsorts nicht völlig unverfälscht; sie 
erben zunächst die Sprache ihrer Eltern und lassen dieselbe dann erst 
durch die Sprache ihrer Schulgenossen beeinflussen. Die sprachliche 
Ausgleichung der den einzelnen Dörfern eigentümlichen Verschieden- 
heiten vollzieht sich wesentlich auf diesem Wege. Zudem wohnen in 
jedem Dorf sehr viele Leute, die in einem andern Dorf geboren sind 
und die Mundart ihres neuen Heimatsorts sich nur unvollkommen 



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14 

angeeignet haben, mit Beibehaltung mancher Eigentümlichkeit ihres 
Geburtsorts. Das Gesammtergebnis der Individualsprachen aller in 
einem Dorf Ansässigen für das jüngre Geschlecht ist folglich ein Kom- 
promiss der altheimischen Mundart mit der der Nachbardörfer. Es 
ist jedoch zu bemerken, dass ausgeprägt wahrnehmbare Abweichungen 
nur dann vorzukommen pflegen, wenn die Mutter in einem andern 
Dorf geboren ist und dort als Mädchen gelebt hat. Ist die Mutter 
schon als Kind in das neue Dorf gekommen und hier zur Schule ge- 
gangen, so wird man an der Sprache des Kindes kaum noch etwas 
von dem Geburtsdorf der Mutter heraushören können; ebenso ist die 
Beeinflussung von Seiten der Sprache des Vaters und der Grosseltern 
kaum wahrnehmbar. Fertig wird die Sprache des Kindes erst durch 
den Verkehr mit den Schulgenossen ; dieser ist das eigentlich Bestim- 
mende für die Sprache. Selbst wenn Eltern und Grosseltern beiderseits 
aus demselben Dorf stammen, sprechen die Kinder, die in einem andern 
Dorf geboren und zur Schule gegangen sind, letztre Mundart mit nur 
geringen Anklängen an die ihrer Vorfahren. In einer jetzt auf Amrum 
ansässigen Familie spricht z. B. die auf Föhr geborne Grossmutter rein 
wehsdringisch; die Kinder und Enkel sprechen dagegen rein amringisch, 
und es gehört schon ein feines Ohr dazu, letztern die Herkunft ihrer 
Grosseltern noch anzuhören. Die Schule bestimmt die Sprecheinheiten, 
wie die jüngsten mundartlichen Eigentümlichkeiten zeigen. Darum 
gebe ich, namentlich im Hinblick auf die künftige mundartliche Ent- 
wicklung, die Schuleinheiten an: 1) Nebel, dazu Süddorf und Stenodde; 
2) Norddorf; 3) — im Kirchspiel St. Laurentii hatte bis 1809 jedes Dorf 
seine eigne Schule — seit 1809 3) Utersum mit Hedehusum und Gross- 
Dunsum und bis 1855 auch Klein-Dunsum; 4) Oldsum, dazu Süderende 
und seit 1855 auch Klein-Dunsum; 5) Toftum mit Klintum; 6) Borgsum 
mit Witsum und Goting, das bis 1834 seine eigne Schule hatte ; 7) Nieblum ; 
8) Alkersum; 9) Midlum; 10) Oevenum; 11) Wrixum; 12) Boldixum. 
§ 13. Mit demselben Recht, mit welchem man innerhalb des 
Aosdringischen einzelne Mundarten nach den Dörfern unterscheidet, 
könnte man dieselben auch nach den Altersstufen unterscheiden. Denn 
tatsächlich sind die Lauterscheinungen, welche in den einzelnen Dörfern 
des Ostens und in den verschiednen Altersstufen von einander ab- 
weichen, — vielleicht von Boldixum und Wrixum abgesehen — alle 
Jüngern Datums und sind zur Zeit noch im lebendigen Ringen mit 
einander. Wollte man hier Sprachlinien ziehen nach Vorbild der 
Wenker'schen Karten, so müsste man, um ein richtiges Bild zu ge- 
winnen, von den in Betracht kommenden Lautgesetzen eine Reihe 
verschiedner Linien zeichnen, jede für eine besondre Altersstufe. Na- 
türlich wäre auch dies nur eine ungefähre Bestimmung. Denn wenn 
man auch sagen kann, dass in einem Dorf etwa die Leute über 
40 Jahre so sprechen, die unter 30 anders, die zwischen 30 und 40 
zum Teil so, zum Teil anders, so giebt es doch ebenso gut einzelne 
Leute Anfang der vierziger Jahre, welche den Jüngern Lautwandel 
schon angenommen haben, wie ein Fünfundzwanzigjähriger hier und 



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15 

da noch nach der Weise der Alten spricht. Selbst hier wird sich im 
einzelnen Falle die Erklärung aus den Verhältnissen ergeben: Wer 
verhältnismässig jung noch der altern Sprechart folgt, hat meist im 
Elternhause gelebt; wer verhältnismässig alt jungem Lautwandel zeigt, 
der ist in späten Jahren auf die Schule gekommen und hat sehr viel 
mit Jüngern verkehrt*). — Tatsächlich sind hinsichtlich der wesent- 
lichsten mundartlichen Schwankungen innerhalb des Aosdringischen 
überall die gleichen Ansätze zur Ausgleichung vorhanden; nur sind die 
Altersstufen für die neuere gleichartige Sprechweise in den einzelnen 
Dörfern verschieden. In einigen Jahrzehnten wird die aosdringische 
Mundart wieder eine einheitliche sein. 

§ 14. Die wichtigsten mundartlichen Unterschiede zwischen arar., 
wehsdr. und aosdr. sind die folgenden: 

1) Das Hauptkennzeichen des Amr. ist die Vertretung des an- 
lautenden (ausser vor r) und auslautenden germ. durch s. Föhr. 
ist das anlautende zu einem an den Zähnen gesprochnen t geworden, 
und dies ist im Osten jetzt grösstenteils in alveolares t übergegangen; 
das auslautende 9 ist wehsdr. erhalten und zum Teil auch noch aosdr., 
geht hier aber meist in s über. Beispiele: a. särap Dorf = f. tärap, 
täorap; a. süset Lärm = f. tuet; a. säu waschen = w. tau; a. seak 
denken = f. te»k; a. düses Tod = f. düeö, aosdr. dües; a. tus 
Zahn — f. tuö, aosdr. tus. 

2) 9j ist amr. zu s', föhr. zu t'y' (aosdr. vor i zu t) geworden; 
als Mittelstufe ist natürlich 8^' (amr. s^') vorauszusetzen. Beispiele: 
a. s'ok dick = f. t'y'ok; a. s'isk deutsch = w. t'^'isk, aosdr. tisk. 
Vgl. a.-w. t'^'in zehn = aosdr. tin. 

3) Germ. zwischen Vokalen erscheint amr. als z, föhr. als X, 
im Osten in z, gutturales interdentales 1, gutturales_l, palatales 1 und 
d gespalten. Beispiele: a. bäzi baden — f. bä&i, aosdr. bäozi, 
bäoli, bäodi; a. liz leiden = f. liS, aosdr. Hz, 111, lid; a. tufrez 
zufrieden = f. tufreS, aosdr. tufrez, tufrel, tufred. 

4) Inlautendes germ. Or ist amr. dr, föhr. lr (mit gutturalem 
interdentalen 1), das sich im Osten in lr (mit teils gutturalem, teils 
palatalem 1) und dr gespalten hat. Beispiele: a. brudr Bruder = 
f. brulr, aosdr. brudr; a. vedr wieder — f. velr, aosdr. vedr; a. 
ödr andrer = f. ölr, ölr, aosdr. 8dr. 

5) Föhr. auslautendes v sprechen die Amringen als u (ö). Beispiele: 

*) Hieraus folgt ein sehr wichtiger methodischer Wink für die chronologische 
Bestimmung überlieferter Sprachdenkmäler auf Grund bestimmter Lauterscheinungen; 
denn jeder gesetzmässige Lautwandel vollzieht sich meines Erachtens nicht in der 
Sprache des Einzelnen, sondern nach Generazionen. Wenn wir z. B. in einem ahd. 
Sprachdenkmal 50 6 und 10 oa finden, in einem andern 10 6 und 50 oa, so hat 
man bisher gefolgert, dass erstres Denkmal in demselben Maasse älter sein müsse, 
in welchem der Lautwandel 6: oa zur Zeit vorgeschritten war. Hierin liegt ein 
methodischer Fehler. Vielmehr können beide Denkmäler im selben Jahre geschrieben 
sein, vielleicht letztres sogar ein Paar Jahre früher als jenes. Zu folgern ist aus 
der Bevorzugung der Schreibung 6 nur, dass der Schreiber um so viel Jahre früher 
geboren war als der o a - Schreiber, wie die Entwicklung dieses Lautwandels geschah. 



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16 

a. bliu bleiben = f. bliv; a. tu höu zur Kirche, zum Gottesdienst 
= f. tuhßv; a. salaeÖ selbst = w.salev, aosdr. sselev. 

6) Anir._ä entspricht wehsdr. ä, ö, aosdr. äo. Beispiele: a._däi 
Tag = w. dä,i, döi, aosdr. däoi; a. mäyi_machen = w. mäyi, 
möyi, aosdr. mäoyi; a. hä (ich) habe = w. hä, hö, aosdr. häo. 

7) Amr. ö entspricht f. 6. Beispiele: a. höd Kopf = f. höd; 
a. föman Mädchen = f . foman; a. bröxt brachte = f. broxt. 

8) Amr. und wehsdr. äu entspricht aosdr. äev. Beispiele: a.-w. 
tau zwei = aosdr. tiev; a.-w. släu schlagen = aosdr. sliev; a.-w. 
trau treu = aosdr. triev. 

9) Amr. und wehsdr. ei entspricht aosdr. äei. Beispiele: a.-w. 
nei neu = aosdr. näei; a.-w. sei nähen = aosdr. sä?i; a.-w. drei drehen 
= aosdr. drsei. 

10) Das Kennzeichen des Wehsdr. ist das Lautgesetz (Palatal- 
umlaut) ik aus iek, iy aus iey. Beispiele: a. iseki, aosdr. ieki 
Eiche, Eichenholz = w. iki; a. krisek, aosdr. kriek Krähe = w. 
krik; a. liaey, aosdr. liey niedrig = w. liy. 

11) Nur amr. sind noch die reduplizierten Praeterita erhalten, 
während sie föhr. in die schwache Flexion übergetreten sind: a. sest 
säte, krest krähte, trest drehte (von Halmen gebraucht), blest blies, 
rust ruderte*) = f. set, kret, tret, ruid. Das Verbaladjektiv ist amr. 
und wehsdr. noch stark, f. aber schwach: a.-w. sen, kren, tren, 
blen, a. run = aosdr. set, kret, tret, aber wehsdr. wie aosdr. ruid. 

12) Aosdr. ist die Übertragung des Stammvokals des starken 
Verbaladjektivs bei den Zeitwörtern zweiter und dritter Klasse auf 
das Praeteritum. Beispiele: a. sgöd, w. sgod schoss = aosdr. sgöd 
nach a.-f. sgödn geschossen; a. söb, w. söb soff = aosdr. söb nach 
a.-w. s8bm, aosdr. sßben gesoffen; a. sbröB, w. sbron sprang = 
aosdr. sbrün nach a. sbrünsen, f. sbrünen gesprungen; a. sdöraeö 
w. sdorev = aosdr. sdürev nach a. sdürvsen, f. sdürven gestorben. 



IV. Alt- und neu-amringiseh-föhringiseh. 

§ 15. Innerhalb der a.-f. Sprachgeschichte sind zeitlich zwei 
Hauptabschnitte zu scheiden, ein ältrer: altamringisch-föhringisch 
(aa.-f.) und ein neuerer: neuamringisch-föhringisch (na.-f.). Diese 
Scheidung ist aus praktischen Gründen geboten. Die Hauptmerkmale 
des Jüngern Zeitraums sind die Kürzung von i, ü und ü in geschlossner 
Silbe, die Dehnung und teilweise Diphthongierung der Vokale in offner 
Silbe und das Stimmhaftwerden von k, t, p nach langem Vokal zu y, d, b; 



*) Die Entstehung dieser altertümlichen Formen ist von dem Praeteritum 
von „säen" ausgegangen. Got. safsö entspräche lautgesetzlich a. *ses; das t ist 
von den schwachen Zeitwörtern eingeführt worden. Nach dem Muster s e : sest 
bildete man zu kr e ein krest, zu ru ein rust. Nach se: sest wurde auch 
zu sge „geschehn" ein sgest gebildet, f. sget. 



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17 

das Kürzungs- und Dehnungsgesetz teilt das Helgolandische und Sil- 
dringische, bewahrt aber auch nach langem Vokal k, t, p. 

Das Aa.-F. reicht noch bis in die Zeit hinein, als man das Ein- 
zige, was wir als Denkmal ältrer Sprache besitzen, die heimischen 
Ortsnamen, aufschrieb, und dies geschah bei den altern jedenfalls vor 
der Mitte des 13. Jhdts. 

Folgende Lautgesetze sind als na.-f. durch die altern Orts- und 
Personennamen zu belegen: 

1. e wird^zu a. ise, f. ie (§ 8, A, 1 — 3). Stenodde: Sdisenöd; 
vgl. Elbe: a. IselaeÖ. 

2. 5 wird zua. üse, f. üe^(§ 8, A, 4. 5). Goting: Gueti», Bol- 
dixum: Büelaysem, Oland: a. Uaelun. 

3. 6 wird zu u, ü (§ 8, A, 6 — 8). Dontsum (ältre Schreibung 
fürDunsum): DunOem, Hooge: se Hüy, Nordstrandischmoor: Let'Mür. 
Brotherus 1360 (mehrmals, Michelsen, Nordfriesland im Mittelalter, 
Schleswig, 1828, S. 193): a. brudr. 

4. i wird durch e hindurch zu a, aosdr. se (§ 8, C, 1). Klintum: 
Klantem, Midjum: Maedlem, Wrixum, früherauch Wrexum geschrieben: 
Vrseksem, Süd (so die alte richtige, seit 1141 belegte Schreibung für 
Sylt): Sal. Rykmer 1360 (Michelsen, Nordfriesland im Mittelalter, 
S. 193): Rakmer. In unbetonter Silbe: Goting (Güetiia): a. GüaetaeB. 

5. ü wird durch i hindurch zu a (§ 8, D, 5). Tüftum (so die 
ältre und richtigre Schreibung für Toftum): Taftem, die Ortsnamen 
auf -bull: -bal. 

6. u wird zu o (§ 8, B, 1). Uluersum 1436 (liber censualis 
episcopi Slesvicensis, Langebek-Suhm, Scriptores rerum Danicarum VII, 
Haunise 1792, S. 502): Olersem (jetzt Oldsum geschrieben). 

7. ü wird zu ö. Uddersum 13 60, Utersum 1436, Ütersum: Oders em. 

8. ü wird zu ü (§8, D, 3). Hedehusum: Hedehüzem, Husum: 
a. Hüzsem. 

9. 8 wird zu e (§ 8, A, 10). Föör 1231, 1240, 1336, 1360, 1388, 
1408, 1411, 1415, Föhr: Fer. 

10. Unbetontes um wird zu a. sem, f. em. Alle Ortsnamen auf 
-um: a. rgem, f. -em. 

11. Auslautendes e fällt ab. Stenodde : Ä Sdisen 5 d,JHooge: ae Hüy. 

12. lv, ry wird zu lav, rey. Elbe: f. Ielav, a. Iselseö, Borgsum: 
Boreysem, Hamborg: Hamboray. 

13. ts wird zu s (nach n wehsdr. zu 9), nach langem Vokal zu z. 
Dontsum, Duntzum (ältre Schreibungen für Dunsum): DunOem (a. 
Dunssem), Wydsuin (ältre Schreibung für Witsum): Vizem. 

14. ld wird zu 1 (§ 8, B, 6). Boldixum: Büelaysem, Sild (seit 
1141): Sal. 

15. lw wird zu 1. Uluersum 1436 (jetzt Oldsum): Olersem. 

16. t nach langem Vokal wird zu d (§ 8, C, 3). Utersum: Ödersem. 
11. ki wird zu t'x'i. Ketel, Ketels: T'x'idl, T'x'idls. 

18. tl wird zu dl. Ketel: T'x'idl. 

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19. ars wird zu as. Karsten: Kasn. 

20. stn wird zu sn. Karsten: Kasn. 

Anm. Sowohl T'^'idl aus Ketel als Kasn aus Karsten verraten spätre 
Entlehnung aus einer andern Mundart; als die lautgesetzlichen a.-f. Formen bestehn 
daneben sedl „Kessel" und Krasn (aus *Krisn aus *Kristn aus Chri- 
sti an (e)). «— In Betracht kommen hier noch einige Personennamen, deren der 
frühern Aussprache gemässe Schreibung zwar nicht beibehalten, Ä aber in richtiger 
etymologischer Erkenntnis wieder eingeführt worden ist: Ierk schreibt sich 
verdeutscht Erich (ise aus e); Rakmer schreibt sich Rickmer (a aus i). 

§ 16. Den aa.-f. Zeitraum rechne ich zurück bis etwa 600 n. Chr.,/ 
d. h. bis zu der Zeit, in welcher die lebendige Verbindung mit den 
Stammesgenossen in Britannien aufhörte. Die Zeit vorher, in der 
von einer besondern a.-f. Mundart noch nicht die Rede sein kann, ist 
die ingwaiwische. Als ingw. verstehn wir diejenigen Spracherschei- 
nungen, von denen wir voraussetzen, dass sie zur Zeit der Sprech- 
gemeinschaft aller ingwaiwischen. Stämme sich entwickelt haben, 
gleichviel, ob diese Erscheinungen uringw. sind, d. h. allen ingw. 
Mundarten gemeinsam, oder ob sie nur auf einem Teil des ingw. 
Sprachgebiets durchgedrungen sind. Die Bildung einer ingw. Mundart 
begann und vollzog sich grösstenteils gleichzeitig mit der Bildung der 
westgerm. Spracheinheit. 

Wir unterscheiden also in der Geschichte des A t -F. drei Zeit- 
räume: 1) ingwaiwiscji vom 3. bis 6. Jhdt., 2) altamringisch-föhringisch 
vom 7. bis ungefähr 12. Jhdt., 3) neuamringisch-föhringisch von 
ungefähr dem 13. Jhdt. an. 



V. Sprachdenkmäler. 



§ 17. Die schriftliche Überliefrung in der Landessprache reicht 
nicht über das Jahr 1748 zurück, wenn man von den wenigen urkund- 
lichen Eigennamen und den im 17. und 18. Jhdt. zahlreichern urkund- 
lichen Namen für Felder, Feidmaasse u. dgl. absieht, deren Sprachform, 
wie sie überliefert ist, durchaus nicht über jeden Zweifel erhaben ist. 
Wir haben freilich noch ein Liejl, welches in das Mittelalter zurück- 
weist (§ 19, V, 13); aber die Sprachform, in der es überliefert ist, 
ist, bis auf einige veraltete Wörter, die heutige. 

Anm. Die altern Urkunden sind abgedruckt bei Michelsen, Nordfriesland im 
Mittelalter, Schleswig 1828 (auch in Falck's Staatsbürger!. Magazin VIII, 1828, 
S. 453—740), S. 183 ff. Für die altern Feldnamen ist von Wichtigkeit das 
Schilling- Englisch -Buch: 1) für Osterlandführ von 1637 (erneuert 1653, 
nochmals erneuert 1659, 1667 und 1706), (plattdeutsch), gedruckt bei Nerong, Föhr 
früher und jetzt, Wyk (1885), S. 56—58; 2) für Westerlands hr und Amrum von* 1664 
(plattdeutsch), Abschrift auf der Kieler Universitätsbibliothek Cod. MS. S. H. 232, A; 
in einem Anhang (um 1800) werden die vorkommenden föhr. Wörter besprochen; 
3) für Osterlandföhr von 1706 (hochdeutsch), gedruckt in Carstens' und Falck's 
Staatsbürgerl. Magazin IV, 1824, S. 154—164 und teilweise bei Nerong, Föhr früher 
und jetzt, S. 59—63; bei Carstens und Falck, S. 168—172 werden die föhr. Wörter 
besprochen. 



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19 

§ 18. Ihrer Überlief rung nach am ältsten sind die folgenden 
a.-f. Sprachdenkmäler: 

1. Der kleine Katechismus in föhringischer Mundart, 
handschriftlich auf der Kgl. Bibliothek in Kopenhagen*), laut Katalog 
erworben um 1700, aber nicht mehr vorhanden. 

2. Amringisches Vaterunser, gedruckt in Gessner's Oriental. 
und occidental. Sprachmeister (hrsg. von Fritz und Schulze), Leipzig 
1748, S. 21 und in demselben Buch unter dem Titel Schulzen's 
Oriental. und occidentalisches abc-Buch, Naumburg und Zeitz 1769; 
wieder abgedruckt Adelung- Vater, Mithridates II, Berlin 1809, S. 244. 

3. Aosdringisches Wörterverzeichnis, 1757 geschrieben, 
mitgeteilt vom Organisten Peters in Wrixum, abgedruckt in 
Falck's Staatsbürgerl. Magazin V, 1826, S. 739—745. (Einige Wörter 
hiernach nachgedruckt bei Paulsen, Samlede mindre skrifter (gesammelte 
kleinere Schriften) I, Kopenhagen 1857, S. 213 Anm.) 

4. Föhringische Wörter, mitgeteilt Von Z. E. und G. V., 
Schleswig-Holsteinische Anzeigen auf das Jahr 1758, Glückstadt, S. 
557 — 562 und wieder abgedruckt in Falck's Sammlung der wichtigsten 
Abhandlungen zur Erläuterung der vaterländ. Gesch. II, Tondern 1822, 
S. 151—155. 

5. Wrixumer Abschrift des wehsdringischen Liedes „Ohn 
ah Hemmel efter ah Dos tu kenimen" (§ 19, IV, 1), um 1800, 
im Besitz von Simon Gerrits in Oevenum. 

6. (Wrixumer) Niederschrift des Hochzeitsliedes „Klüftig 
küren wir üb Drüg Seesen bradlepsday" (§ 19, V, 21), ver- 
mutlich um 1800, im Besitz von Simon Gerrits in Oevenum. 

7. Die verhältnismässig wenigen (teilweise fälschlich als föh- 
ringisch bezeichneten und grossenteils unrichtig wiedergegebnen) a.-f. 
Wörter in Outzen's Glossarium der friesischen Sprache, Kopenhagen 
1837 (Vorrede 1824 unterzeichnet); Outzen, der selbst auf Föhr gewesen 
ist, hat benutzt nach seiner eignen Angabe (S. XXIX f.): a) das 
Wrixumer Hochzeitslied (§ 19, V, 21), b) eine, und zwar vermutlich 
die Peters'sche Abschrift des alten aosdringischen Tanzliedes (§19, 
V, 13), c) eine Hdschr. von QuedensenV geistlichem Liede (§ 19, IV, 1), 
d) den kleinen Katechismus, vom Organisten P. J. Peters in 
Wrixum ins Föhringische übersetzt (vgl. die Anm. unten), e) 
„-sonst manche sehr brauchbare Notizen u von demselben. 

Anm. Es ist ausdrücklich davor zu warnen scheinbar altertümlichen Schrei- 
bungen irgend welches Gewicht beizulegen. Wer sich einmal davon überzeugt hat, 
wie gradezu unglaublich verkehrt die Leute heute ihre Sprache schreiben, wenn 
sie einmal in diese ungewohnte Lage gebracht werden — sonst schreiben sie 
nur in hochdeutscher Sprache, weil sie dies auf der Schule gelernt haben — , der 
wird gar nicht misstrauisch genug sein können, wenn es gilt, aus dem Geschriebnen 
für das Gesprochne Folgrungen zu ziehen. 

§ 19. Da voraussichtlich in 100 Jahren ied lebendige Quelle 



*) nicht mit de Vries bei Bendsen, Die nordfriesische Sprache, Leiden 1860, 
S. XI f. derselbe wie die von Outzen benutzte Übersetzung des Wrixumers Peters. 

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20 

des Volksmundes nicht mehr sprudeln wird, so ist es von Wichtigkeit 
alles, was bisher in dieser Sprache aufgezeichnet worden ist, für die 
spätre Forschung zu bewahren. Ich gebe deshalb hier eine, wie ich 
glaube aussprechen zu dürfen, vollständige a.-f. Literaturübersicht*); 
wenigstens ist dieselbe so vollständig, wie es heute nur im Bereich 
der Möglichkeit liegt eine solche zu geben. Da fast alles Gedruckte 
kaum allgemein zugänglich ist, sondre ich in der folgenden Übersicht 
nicht das Gedruckte von dem Geschriebnen. Ich habe von allen 
namhaft gemachten, weniger zugänglichen Sachen, soweit ich sie nicht 
erwerben konnte, Abschriften genommen, und zwar, soweit möglich, 
vom Original. Die folgende Übersicht über die Sprachdenkmäler macht 
Anspruch auf Vollständigkeit; nur wo in Erzählungen oder Reise- 
schriften ein Paar schon anderweitig gedruckte Wörter und Sätze 
wieder abgedruckt, sind, durfte ich mir die Anführung ersparen. Hin- 
sichtlich des in grammatischen Schriften enthaltnen Sprachstoffs ver- 
weise ich auf § 20 und 21. 

Eine Ausgabe aller amringisch-föhringischen literarischen Er- 
zeugnisse, welche inhaltlich von Wert sind, ist von mir in Vorbereitung. 

I. Amringisch und föhringisch. 

Gleichmässig Eigentum von Amrum und Föhr, ohne dass der 
Ursprung sich feststellen Hesse, sind: 

1. die sehr zahlreichen a.-f. Sprichwörter aus alter und neuer 
Zeit sowie die sehr alten Wiegenlieder und Kindersprüche. Die- 
selben sind grösstenteils auch auf Süd und in Nordfriesland, zum Teil 
auch in Norddeutschland bekannt. Sie sind, mit deutscher Über- 
setzung, am vollständigsten an drei Stellen zu finden: a) in der 1846 
abgeschlossnen Sammlung des Amrumer Pastors Mechlenburg, Nr. 3* 
(Übersetzung 3b) seines Nachlasses auf der Stadtbibliothek zu Hamburg, 
grösstenteils, aber nicht fehlerlos, abgedruckt in Haupt's Ztschr. VIII 
1851, S. 350 — 374; b) bei Johansen, Nordfriesische Sprache, überall 
im ganzen Buch verstreut; c) in der Sprichwörtersammlung von Nissen, 



*) Die Literatursprache war nach der lateinischen die plattdeutsche und ist 
jetzt die hochdeutsche. Daher ist weitaus das Meiste, was Amringen und Föhringen 
niedergeschrieben haben, plattdeutsch und hochdeutsch abgefasst. Hier kommen 
nur die Erzeugnisse der Landessprache in Betracht. Es sind, soweit nicht Über- 
setzungen, vielfach Gelegenheitsgedichte. Doch giebt es immerhin eine ganze Anzahl 
recht netter neuerer Gedichte, sogar eine Art von Lustspiel (IV, 3, c), dazu viele Prosa- 
stücke, d ü n t' j i s (n) (Erzählungen). Die bekanntern Gedichte, lit'j in, lie tn, werden 
gesungen — meist beim Punsch — , und zwar nach der Weise von deutschen Volks- 
und Studentenliedern, sind also in dieser Form amringisch-föhringische Volkslieder 
heute zu nennen. Das meiste Interesse beanspruchen zwei ältre Volkslieder: Etwa 
aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts stammt das heute nur im östlichen Föhr 
noch lebendige, aber auch hier veraltende Lied von Trint'j^' sen Drüy S6zn brsed- 
lsepsdäoi (V, 21). Gänzlich veraltet und so gut wie völlig unbekannt ist das 
hochwichtige alte Tanzlied M bäoi ae redr (V, 13), welches, nur unvollkommen 
erhalten, aus dem 15. Jhdt. stammt. Gedruckt ist von a.-f. Literatur das aller- 
wenigste, aufgeschrieben das meiste; vieles lebt aber auch nur im Volksmund fort. 
— Das meiste literarische Leben herscht auf Föhr; der Amringe lebt einsamer. 



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21 

De freske Findling, Stedesand 1873 — 1883, in der übrigens so manches 
nur als eine amr. Übersetzung nordfriesischen Erbguts anzusehn ist. 
Kinderreime s. besonders zum Schluss der M.'schen Sammlung, bei 
Johansen, S. 3, 120, 191, 265 — 267 und bei Nissen am Schluss der 
Sammlung. Ferner sind d) in Clement's Lappenkorb, Leipzig (1847), 
S. 294 — 316, 238 amringische Sprichwörter gedruckt und S. 392 f. 
zwei Sprüche (Arebar Lungsnar und Gregöri), zum Teil wieder 
abgedruckt in Firmenich's Völkerstimmen III, S. 2 — 8 ; e) amringische 
Reime und Sprüche auf besondre Tage und Zeiten des Jahrs nebst 
Wetterregeln, mitgeteilt von Johansen, Jahrhücher f. d. Landeskunde 
der Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg IX, 1867, S. 
126 — 128, grösstenteils auch in desselben Ndfrs. Spr. vorkommend. 
Einige Sprichwörter sind auch bei Nerong, Föhr früher und jetzt, 
Wyk (1885), S. 153 f. nachgedruckt. Ein alter Reim (Piadersdai 
as nü förbi) (auch a, S. 370 und e, S. 127) daselbst S. 76 Anm., 
als Wrixumisch 1859 von Mechlenburg aufgeschrieben Ged., S. 78. 
Ein Wiegenlied (S8nke, Sönke, Dätje wat) (auch Joh., Ndfrs. Spr., 
S. 266) steht in Nr. 11, 9 des M.'schen Nachlasses auf der Hamburger 
Stadtbibliothek, ein Kinderspiel (Ikkräske di) daselbst Nr. 3d. Allen 
Sammlern entgangen ist ein wenigstens 100 Jahre altes a.-f. (übrigens 
auch auf Sild bekanntes) Wiegenlied Dier kam sen sgepgi fän 
nürdn (vgl. Müllenhoff, Schl.-Holst. Sagen, S. 501 f.), von mir nach 
der mündlichen Überliefrung aufgezeichnet. 

2. „Dier vul sen bür sens edr apsdun", Übersetzung des 
deutschen „Es wollt' ein Bauer früh aufstehn", sicher älter als 100 
Jahre, heute noch bei Jung und Alt ein sehr beliebtes Volkslied, von 
mir nach dem Volksmund aufgezeichnet. 

II. Amringisch. 

1. Das alte amringische Vaterunser, s. § 18, 2. 

2. Pirlala läi ün sin käst, Tanzlied, wenigstens 100 Jahre 
alt, bis zur Mitte dieses Jhdts. noch im Gebrauch, nach der 
mündlichen Überliefrung von mir aufgezeichnet; das Lied ist von 
Holländer Schiffern nach Amrum gebracht worden und wurde von den 
jungen Amringen nachgesungen. 

3. Wat Neis brangst ma fan Nurden?, alter Spruch, von 
Clement mitgeteilt in seinem Lappenkorb, S. 332 und bei Firmenich 
III (1854), S. 2, auch in der M.'schen Sprichwörtersammlung, Nr. 3a, 
S. 11 des Nachlasses in Hamburg. 

4. Letj Eelke an Grat Eelke, sehr altes Märchen, in 2 ab- 
weichenden Gestalten; die eine nach Johansen, gedruckt in Müllenhoffs 
Schl.-Holst. Sagen, S. 497 — 500 und in den Grenzboten, 23. Jahrgang, 
IL Semester, III. Band 1864, S. 21 f., etwas anders in Johansen's 
Arammud an Dögganhaid, Schleswig 1855, S. 9 f.; die andre Gestalt 
teilt Clement mit bei Firmenich III, S. 454 f., Hdschr. in Hamburg, 
Nr. 11, 12 des M.'schen Nachlasses. 



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5. Henk an Höön, sehr altes Märchen (auch sildringisch), 
nach der Mitteilung Clement's gedruckt bei Firmenich III, S. 455 f. 

6. An Tel fän di ßis an an letjen Kühörd, Märchen, mit 
plattdeutscher Übersetzung mitgeteilt von Mechlenburg in Ehrentraut's 
Fries. Archiv II, Oldenburg 1854, S. 324—327. 

7. Ian. Knolle, Märchen, Aufzeichnung M.'s 1852, Nr. 11, 14 
seines Nachlasses in Hamburg. 

8. H. Kl. ün Duntsam, Hexengeschichte, 1852 von M. auf- 
gezeichnet, Hdschr. Nr. 11, 14 seines Nachlasses in Hamburg. 

9. Diar komt an jongan Dring tüs, Hexengeschiohte, 1852 
von M. aufgezeichnet, Hdschr. Nr. 11, 14 seines Nachlasses in Hamburg. 

10. Gebet, mit deutsch dazwischen, gedruckt bei Johansen, Die 
Seemannswittwe auf der Düneninsel, Kiel 1860, S. 54. 

11. An fresk Bleed? und Min leew Laanslidj, zwei Auf- 
rufe zu der Gründung eines . friesischen Wochenblatts, Hdschr. Nr. 
11, 17 des M.'schen Nachlasses in Hamburg. 

12. Ein paar amringische Redensarten, mitgeteilt von C. P. 
H(ansen), Westsee-Iiiseln 1871, Nr. 120, 29. Iuli. 

13. Das Gleichnis vom verlornen Sohn, sehr mangelhaft 
in amr. Mundart wiedergegeben von Nissen in Winkler's Algemeen 
nederduitsch en friesch dialecticon I, S'Grayenhage 1874, S. 89 — 91 
(vgl. dazu die Übersetzung von Johansen, Ndfrs. Spr., S. 202 f.). 

14. A Könnang komt, at Lidj as bliis, Gelegenheitsgedicht 
von Nahmen Nickels Schmidt, 1845, Abschrift M.'s Ged., S. 40. 

15. Lunsfeeder! Du komst jo rogt tidjelk tu-t Lun, Ge- 
legenheitsgedicht von Hinrich Feddersen, 1845, zwei Abschriften M.'s 
Ged., S. 59—61 und 108—110. 

16. Uk an fresk Steam tu tha Könnang, man fan't bütjenst 
Eilun, Gedicht von an Oemrangen (K. J. Clement aus Norddorf), 
1840?, gedruckt bei Firmenich III, S. 1 f. und sehr fehlerhaft „Am 
Nordsee-Strand" (Volksblatt, in Wyk erschienen) Nr. 59, 2. Dez. 1883. 

17. Einige amringische Sätze und eine Reihe einzelner Wörter 
findet man bei Clement, Reise durch Friesland, Holland und Deutsch- 
land, Kiel 1847, S. 64 — 78, desgl., von demselben mitgeteilt, bei 
Firmenich III, S. 450—452. 

18. Gedichte von Chr. Erichsen (Iarken). 

a) An Ömrang Liedtje, Originalhdschr. in Hamburg, Nr. 11, 6, 3 dös 
M.'schen Nachlasses. — b) At letzt Ugenblack, dier an Man schiest van 
sin Wüf, Originalhdschr. in Hamburg, Nr. 11, 6, 4 des M.'schen Nachlasses. 

19. Gedichte von Karsten Paulsen aus Norddorf. 

a) An Ömrang Liattie, Originalhdschr., Nr. 11, 6, 1 des M.'schen Nach- 
lasses in Hamburg, reicht nur bis Strophe 9 einschliesslich; 2 weitre Strophen besitze 
ich nach einer freilich sehr schlechten Norddorfer Abschrift; der ganze Text von 13 
Strophen in deutscher Übersetzung inClement's Lappenkorb, Leipzig (1847), S. 333—336. 
— b) So üs-t hir wes'skal, as-t hir läng eg müar, 1844, Abschrift M.'s 
in Hamburg, Nr. 11, 5, 1 des Nachlasses. — c) Auar a I)oas, 1845, Original- 
hdschr. Nr. 11, 6, 2 des M.schen Nachlasses. — d) Au er Simon, 1845, Abschrift M.'s 
Nr. 3 C des Nachlasses, zwei verbesserte Abschriften M.'s Ged., S. 62 f. und 140 f. 



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20. Gedichte von. Jac. Lor. Engmann aus Norddorf, hand- 
schriftlich auf der Hamburger Stadtbibliothek, a) — e) Nr. 11, 3, f) Nr. 
11, 2 und g) Nr. 11, 5, 2 des M.'schen Nachlasses. 

a) Wan ik slumre ün diSliap, Nachdichtung von Klopstock's „Sink 
ich einst in jenen Schlummer" (Nr. 34 des Schlesw.-Holst. Gesangbuchs von 1780). 
— b) "Wan du nian Halp fa'n Minskan heest, Nachdichtung von Anton 
Ulrich von Braunschweig' s „Wenn Menschenhülfe dir gebricht" (Nr. 668 des Schlesw.- 
Holst. Gesangbuchs von 1780). — c) Wi Menskan bliw eg üb das Welt, 
Nachdichtung von Klopstock's „Pilger sind wir; wallen hier" (Nr. 907 des Schlesw.- 
Holst. Gesangbuchs von 1780). — d) Hokker iansam sat un Kaamer. — 
e) Üb Sinai sted^üs Herr God. — f) Dtar ging an Ganner äuer-t 
Fial. — g) Det Ömrang Lun, det as man letj, 1849. 

21. Gedichte des Pastors Lor. Fr. Mechlenburg aus Nebel, 
alle in Originalhdschr. 

a) Welkimmen, Könnang an K ön n a n g i n, Gelegenheitsgedicht, 1840?, 
Ged., S. 27. 36. — b) 1) Könnang! Du komst tu üs, Gelegenheitsgedicht, 
184?, Ged., S. 27— 30. 2) Dat wi di wedder se, Gelegenheitsgedicht, 184?, Nr. 
11,9 des Nachlasses in Hamburg, andre Hdschr. Ged., S. 38 — 40; Neubearbeitung 
von 1). — c) Hurraa föör aKönnang, o Gelegenheitsgedicht, Nr. 11, 9 des 
Nachlasses und Ged., S. 36 f. — d) Ä Auer a Amram, 1844, Nr. 11, 5 des Nach- 
lasses und Ged., S. 47—53. — e) Huri f6r a Könnang, Gelegenheitsgedicht, 1860, 
Nr. 11, 9 des Nachlasses in 2 Aufzeichnungen. — f) God alla Minskans 
Fee dar, Vaterunser in Gedichtform, Ged., S. 122. — g) Jaa Lidj, diar altidj 
snake, Entwurf eines Gedichts, 184?, Nr. 11, 10 des Nachlasses. 

22. Chr. Johansen (geboren 1820). 

A) Gedichte, a) Üsh Her Christus sin Gibet, 1844, Originalhdschr. 
in Hamburg Nr. 11, 8 des M.'schen Nachlasses. — b) Wos anPuask, Original- 
hdschr. Nr. 11, 8 des M.'schen Nachlasses. — c) Grötnis to a Könnang, Ge- 
legenheitsgedicht, Originalhdschr. M.'s Ged., S. 34 f. — d) Diär as bidrüvat 
Tishang kiman, Nachruf auf Christian VIH, König von Dänemark, 1848, Ori- 
ginalhdschr. Nr. 11, 8 des M.'schen Nachlasses, in andrer Rechtschreibung gedruckt 
Insel-Bote, Nr. 9, Wyk, 30. Oktober 1880. — e) An deegh feast Bolwerk 
as üü8h God, Nachdichtung von Luther's „Ein' feste Burg ist unser Gott tf , 1850, 
gedruckt Joh., Arammud an Dögganhaid bi-rköödar, Schleswig 1855, S. 14 und 
Ndfrs. Spr., S. 285 f. — f) Jü üntr&u Bridj üb Sal ün Eidam, Abschrift M.'s, 
Nr. 11, 13 seines Nachlasses. 

B) Prosa, a) Hü 't tuging, diär a nei Liär üüb Aamram ka*m, 
1849, Erzählung der Einführung der Reformazion auf Amrum, Originalhdschr. Nr. 
10* des M.'schen Nachlasses. — b) Arammud an Dögganhaid bi-rköödar, 
oder: Armuth und Tugend, eine Erzählung, unter diesem Titel gedruckt Schleswig 
1855. (Ein Exemplar auf der Kgl. Bibliothek in Kopenhagen.) — c) Erzählungen 
des alten Besenbinders Jens Drefsen, Ndfrs. Sprache, S. 218 — 281. — 
d) Übersetzungen aus der Bibel: Ev. Matthäi 5—7 (Cap. 5 wieder abge- 
druckt bei Leopold, Van de Scheide tot de Weichsel III, te Groningen 1882, S. 
252 — 254; Matth. 6, 25—32 wieder abgedruckt bei Hansen, Das Schleswig' sehe 
Wattenmeer, Glogau (1865), S. 272 f.), Ev. Lucae 15, Ev. Johannis 11, Apostel- 
geschichte 9 und 1. Corinther 13, Nflfrs. Spr., S. 193—211. — e) Übersetzung 
aus Goethes Faust, der Nachbarin Haus, Ndfrs. Spr., S. 211 — 218. 

* 23. Religiöse Gedichte von dem Lehrer und Küster Bonken 
in Nebel (gebornem Halligfriesen), hdschrftl. in dessen Besitz. 

24. Üz näiber vier sens del set üzn tu tren, Gedicht einer 
Norddorferin, 1884, aus ihrem Munde von mir niedergeschrieben. 

25. Dier sded täö sösgarn ün « säl, Gedicht einer Nord- 
dorferin, 1884, aus ihrem Munde von mir niedergeschrieben. 



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m. Föhringigch. 

Der kleine Katechismus in föhringischer Mundart, 
s. § 18, 1. 

IV. Wehsdringisch. 

1. Uun a Hemmel efter e Duas tu kemmen, geistliches 
Lied, 1757 gedichtet von Christian Carl Quedensen, Pastor zu St. 
Laurentii. Die ältste, mir bekannte Hdschr. ist im Besitz von Simon 
Gerrits in Oevenum; sie ist von einer Wrixumerin um 1800 abge- 
schrieben. Besonders gedruckt ist das Lied unter dem Titel: Gesang 
in der westerlandf öhrer Mundart, verfasst vor 130 Jahren von Pastor 
M. Flor, Nieblum auf Föhr, 1847 (ein Exerüplar in meinem Besitz). 
Das Lied ist oft abgedruckt worden: von Clement in ainringischer 
Mundart Firmenich III, 453 f.; Johansen, Ndfrs. Sprache, S. 281 — 285; 
Johansen, Die Seemanns wittwe auf der Düneninsel, Kiel 1860, S. 
76—81; Nerong, Föhr früher und' jetzt, Wyk (1885), S. 138—140. 

2. Sock Tochter sann mi nüh ienfalen, Gedicht von Arfst 
Gerrits, 1823 oder 1824, zum Teil handschriftlich in Norddorf. 

3. Rewert Knudsen aus Utersum dichtete — die Original- 
handschriften besitzt Frau Josina Knudsen in Borgsum — : 

a) das Lied En hiälmelken Bradgung, 1880. — b) das Lied En 
gudden Hööb, 1880 (oder 1881), Nachdichtung von „Von allen den Mädchen 
so blink und so blank". — c) das Lustspiel Hokker feid iäst en Wüff, 1881. 

4. Nickels Jürgens (Neggels Jirrins) aus Oldsum, jetzt in Neu- 
münster, dichtete die folgenden Gedichte, deren Originalhdschr. ich besitze : 

ä) A frem as allerdöggen, 1886. — b) Wann 's mi hirr bütjlunn 
fragi, 1886. — c) At lewent hirr bütjlunn det naget mi ei, 1886. — 
d) Tufreth wärt nßmen üb a w61t, 1886. — e) A ferreng sprik 
skall lewwi, 1886. — f) Soldätenlewentaseinett, 1887. — g) von 
demselben? Huar as di Fresk sin federlunn? 

V. Aosdringisch. 

1. Cnut Cnutsen (Cnuit) schrieb: 

a) Tu min Loonslieid, Vorrede zu seinem Buch: Die Unsterblichkeit, 
Kiel 1825, S. XIII f. — b) Uhn ah hemmel ä ft er ah düs tu kemmen, 
Gedicht (nicht etwa dasselbe wie IV, 1), gedruckt ebendaselbst. 

2. Dö säeks Theewüffen, jetzt nicht mehr bekanntes Gedicht; 
eine Abschrift besitzt Bernhard Schmidt in Nebel. 

3. Tu üssens Prinzessin Victoria her Bradlebs dai, Ge- 
legenheitsgedicht, gedruckt Insel-Bote, Nr. 17, Wyk, 26. Februar 1881. 

4. Hinrich Bernhard Jacobsen aus Borgsum schrieb zwei Ge- 
dichte, welche sich im Besitz von Simon Jacobs in Alkersum befinden : 

a) En Verschük üb Ferreng* 1865. — b) Heimath, Heimweh, 1865? 

Goting. — 

5. Min eilunn Fer, fan a N&rdsia trinj amfluddet, Lied 
von E. Rolufs, besitze ich in der Bearbeitung von N. Jürgens. 

6. En Ball in Guateng, Gelegenheitsgedicht von Amalie Erichs, 
gedruckt Insel-Bote, Nr. 9, Wyk, 29. Januar 1881. 



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7. Si so, nü feit ä Smas et gud, Gedicht von Jens Christian 
Ehrichs, gedruckt Insel-Bote, Nr. 52, Wyk, 2. Juli 1881. 

Nieblum. 

8. Mantje Drefsen, geb. 1754, schrieb: 

a) An Uasterlunfeerang Liidtje: Ik ha di ühs en Frieny ver- 
spregen, Gedicht, 1780; sehr fehler- und lückenhafte Abschrift M/s Ged., S. 
70—73; der richtige Text von der Hand der Enkel-Nichte der Dichterin befindet 
sich in meinem Besitz. — b) Dieselbe schrieb, als Mantje Dicks, 1839, das 
Gedicht Min fjiever n taexndeY juer säen giev ferlepen, nach mündlicher 
Überliefrung in Nieblum von mir aufgezeichnet. 

9. A. J. Arfsten, geb. 1812, jetzt Gärtner in Husum, schrieb 
um die Mitte dieses Jhdts. eine grosse Zahl echt volkstümlicher anek- 
dotenartiger Erzählungen, meist in Gesprächsform, sogen. Düntjes. 

a) Föhringer Plaudereien: Fehr, ah 1. Iüle 1870. Man gudd Knütj!, 
Brief von Frödd. Gedruckt Die Westsee-Inseln Nr. 5, Wyk, 13. Iuli 1870. — b) 
Föhringer Plaudereien: Fehr, ah 15. Iüle 1870. Man gudd Frödd!, Brief 
von Knütj. Gedruckt Westsee-Inseln, Nr. 8, Wyk, 23. Iuli 1870. — c) Föhringer 
Plaudereien: Fehr, ah 23. Iüle 1870. Man lew Knütj e!, Brief von Neggels 
Rölkenweuter. Gedruckt Westsee-Inseln, Nr. 11, Wyk, 30. Iuli 1870. — d) 1) 
Föhringer Plaudereien: Vor voll Iuaren foll Ulke Driewer van't H.üss 
dehl üb a Bragg. Gedruckt Westsee-Inseln, Nr. 41, Wyck, 26. October 

1870. 2) Hokker könn plette uan Njeblem?, Anekdote, Hdschr. im 
Besitz des Verf. — e) Föhringer Plaudereien: Uha, ik arrem Mensk! 
Gedruckt Westsee-Inseln Nr. 112, Wyck, 1. Iuli 1871. — f) Föhringer Plaudereien: 
Therke an Mantje, Gespräch. Gedruckt Westsee-Inseln Nr. 116, Wyck, 15. Iuli 

1871. — g) Föhringer Plaudereien: Man gud Knüdj!, Brief von Frödd. Gedruckt 
Westsee-Inseln Nr. 155, Wyck, 2. December 1871. — h) 1) Friesische Plaudereien : 
An Färring Düntje: Det wir a triantwuntigst Febberware 1851. 
Gedruckt Westsee-Inseln, Wyck, September 1872. 2) Det wiar a trianntwun- 
tegst Febberware 1851, Hdschr. im Besitz des Verfassers. — i) 1) I. M. an L. 
hual an Stack Schnaak maer ödder all. Marts 1838, Gespräch, Hdschr. 
im Besitz des Verf.. 2) AchtainHunnertAcht an Dortig aElwenstMarz 
do stenn Talke an Jung Mantje ädder me an Oankskrüw un a Hun 
an hell an Stack Schnack mä an öder awer det Wasken, Gespräch, 
erweiterte Überarbeitung von 1), Originalhdschr. in meinem Besitz. — k) Ahn 
fahlegh wiar Düjntje vaan det Hiar diar uan LM.Bödder nimmen 
w i e r, Gespräch, Hdschr. im Besitz des Verf. — 1) I. M. vorteilt att L. dett 
hör letjet raar Kaat stürawennwiar, a 13. May 1846, Gespräch, Hdschr. 
im Besitz des Verf. — m) Klüftighaiden uan I. H. Dörransk uan att 
Huällawjuanken, Gespräch, Hdschr. im Besitz des Verf. — n) Det Düjntje 
vaan det grattÜndiar wat ar ap üit aMaaskkimmen wiar, Gespräch, 
Hdschr. im Besitz des Verf. — o) Düjntj essen uan Öwenem bij Asser 
ann Tat üas jo däenskSoldoten uann Quartiar häedan do Ministers 
aphinget wurd, Gespräch, Hdschr. im Besitz des Verf. — p) Nü wall ick 
jam ans ann Stack vorteil van Krassen Onersen, Gespräch, Hdschr. im 
Besitz des Verf. — q)Hü a Lanjen thuLups kämm, Gespräch, Originalhdschr. 
in meinem Besitz. — r) Uenprivilegiret Färring Kalender för det 
Skregeljuar 1852, Hdschr. im Besitz des Verf. 

Wahrscheinlich von Arfsten sind zwei Anekdoten von M.'s Hand 
in Nr. 3c des Nachlasses in Hamburg: 

s) N. N. siad ün-t Krughhüs. — t) An ferrang Wüf stänt üb 
a HEfdik. 

10. Un üs Bibel vor ann beft, Gedicht von Maria Christina 
Erken (geb. 1815), 1886, Originalhdschr. in meinem Besitz. 



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Alkersum. 

11. Simon Reinhard Bohn, der beliebtste Dichter, schrieb in 
den Jahren 1859 — 1862; die Originalhdschr. seiner Gedichte besitzt 
seine Wittwe in Nieblum. 

a)A'Bööd efter a' Iadgreweren, Nachdichtung von Schillert „Der 
Gang nach dem Eisenhammer". — b) Könneng anPraster, Nachdichtung 
von Bürger's „Der Kaiser und der Abt". — c) BüüranSiamaan. — d) Dir 
wir en Tidj, et hä all loong all wesen. — e) Täw Lickstianer. — f) 
Kriak anMüss (enFabel). — g) Riadeis. — h) Di' Gühlbück (enFabel). 
— i) Dir, huar a Nurdsia her green skümmeg "Wagen, Lied, gedichtet 
nach dem Vorbild von „Dort, wo der alte Rhein mit seinen Wellen", gedruckt bei 
Nerong, Föhr früher und jetzt, Wyk (1885), S. 147 f. — k) A f j a w e r J u a r s t i d j e n, 
Lied. — l)EnLiat, un'thSälskapp tu schongen bi 'n Bale Püns, wann 
ham nanth öders witj, Trinklied. — m)A iast Crinolin. — n)Ues a 
Könneng üb Fehr wir, 1860. — o) An ündülljegen Bradgung. — p)Di 
Kuppmaan. — q) Fröd. — r) Nahmen Sütjers Pretjei, 1868. — s) Ick 
wanske di, so üs 'am sayt, Scherzstrophe. — t)Di Snare un Hymen' s 
Bianer, Scherzstrophe. — u) Theenkt hocker manner, üs ar sayt, 
Sinnspruch. 

12. Gedicht auf S. R. Bohn von et jong Maner hualewjonken, 
1876, Hdschr. im Besitz der Wittwe Bohn's in Nieblum. 

Oevenum. 

13. Vermutlich aus Oevenum stammt das heute nur noch in dem 
Munde zweier Oevenumer Geschwister lebende Tanzlied iE bäoi se 
reder, das aus dem 15. Jhdt. stammt. Es ist gedruckt nach der Mit- 
teilung Mechlenburg's, ,die auf einer Wrixumer Handschrift beruht, in 
Ehrentraut's Fries. Archiv II, Oldenburg 1854, S. 328—333 und bei 
Hansen, Der Sylter-Friese, Kiel 1860, S. 218—220. Den verhältnis- 
mässig besten Text habe ich nach der mündlichen Überliefrung auf- 
gezeichnet. Die hervorragende Bedeutung dieses Liedes nötigt zu 
einer ausführlichem Darlegung der Überliefrung. Das Lied wurde auf 
Osterlandföhr früher bei Hochzeiten gesungen. Aber schon zu Anfang 
dieses Jahrhunderts galt es selbst den alten Leuten als veraltet und 
nicht mehr ganz verständlich. Schon damals war die Überliefrung 
verderbt, und man wusste, dass eine oder zwei Strophen abhanden 
gekommen waren. Jetzt ist das Lied so gut wie unbekannt. In den 
zwanziger Jahren gab es nur noch eine Frau in Oevenum, die Mutter 
des weiter unten genannten Knudsen, welche das Lied ganz und gar 
auswendig konnte, und nur in ihrem Hause und in ihrer Bekanntschaft 
wurde es gesungen. Es giebt meines Wissens heute nur noch fünf 
Menschen, welche mehr davon wissen, als dass es früher einmal ein 
altes Lied böireder gegeben habe. Ein sehr alter Mann kannte 
böireder als alten föhringischen Volkstanz, wozu auch gesungen sein 
sollte. Möglichenfalls liegt noch irgendwo auf Osterlandföhr eine 
Niederschrift des Liedes verborgen; denn ich hörte von mehreren 
Leuten, dass sie sich erinnerten das Lied einmal gelesen zu haben; 
aber meine Nachforschungen waren vergeblich. Der vollständige Text 
ist heute Niemandem mehr bekannt. Eine Frau in Oevenum erinnerte 
sich nur noch, dass in dem Refrain etwas von sdolt und sövenalik 



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vorkäme; eine andre, jüngre, Frau Laura Ketels in Oevenum, wusste 
nur noch die erste Strophe und konnte die Weise noch so ungefähr 
singen, wenn sie sich auch bewusst war dieselbe ^ nicht mehr ganz 
richtig wiederzugeben. Nur einen einzigen alten Övenembür habe 
ich in dem 70jährigen Lorenz Konrad Knudsen gefunden, welcher die 
Weise ganz genau wusste und vom Text die ersten Strophen, vom 
Folgenden nur Einzelnes. Jedoch gelang es mir mit Hülfe des Mech- 
lenburg'schen Textes seinem Gedächtnis zu Hülfe zu kommen, so dass 
ich fast überall den Wortlaut genau feststellen konnte. Der Wortlaut 
war diesem Mann, wo es überhaupt der Fall war, so genau in der 
Erinnrung, dass er selbst bei solchen Kleinigkeiten, wie sie am 
ehsten die Überliefrung entstellt, wie Partikeln, Wortstellung u. dgl., 
überall mit Sicherheit angeben konnte, wie in seiner Jugend gesungen 
worden war, und wenn ich die Mechlenburg'schen Varianten angab, 
wusste er bestimmt, was richtig und was falsch; er fügte aber immer 
hinzu, dass man damals schon gewusst hätte, dass der so gesungne 
Text ein durch die lange Überliefrung verderbter gewesen wäre. Die 
Schwester dieses Mannes, welche in Kalifornien, der neuen Heimat der 
Föhringen, lebt, ist ausser ihrem Bruder die einzige, die das Lied 
noch einigermaassen auswendig kann. Sie erzählt, dass ihre Mutter 
den fehlenden Vers noch mitgesungen habe: „es war eins ihrer Lieb- 
lingslieder, und hat sie es eine Zeit sehr oft gesungen, und weiss ich 
noch recht gut, wie es oft einen recht traurigen Eindruck auf mich 
machte, nachdem A . . . mir den Sinn, um was es sich handelte, erklärt 
hatte. u — Neben der mündlichen Überliefrung dieses Liedes besteht 
eine schriftliche. Mit dieser verhält es sich folgendermaassen: Ein 
Brief des Schullehrers Sörensen in Oevenum an den alten Pastor Mech- 
lenburg auf Amrum vom 30. Oktober 1851 (Nr. 31 des Mechlenburg'- 
schen Nachlasses auf der Hamburger Stadtbibliothek) spricht von 
einem mit dem Briefe mitfolgenden Gedicht, das Sörensen „nach einem 
Exemplar, das Herr K. B. Knudsen hieselbst durch den vormaligen 
Organisten P. J. Peters in Wrixum hatte, buchstäblich abgeschrieben". 
Unter den als Nr. 11 bezeichneten M.'schen Gedichten in Hamburg 
befindet sich auf einem besondern Blatt, sauber geschrieben, das 
Gedicht „Bay an a Rädder", wie die Vergleichung mit jenem Brief 
ergiebt, von Sörensen's Hand; Tinte und Bruch des Papiers stimmt 
dazu; zum Überfluss findet sich auch auf der Rückseite des Umschlags 
jener Gedichtsammlung eine Bemerkung M.'s: „Bäy Redder v. Sörens. 
abgsch." Eine Anfrage meinerseits bei Sörensen hinsichtlich der Her- 
kunft jener Hs. war erfolglos. So stammte die ältste schriftliche Über- 
liefrung aus Wrixun^ und zwar noch aus diesem Jhdt.; P. J. Peters 
lebte 1759 — 1842. Zwei fast nur in der Rechtschreibung verschiedne 
Aufzeichnungen nach dem Peters-Knudsen-Sörensen'schen Text haben 
wir von Mechlenburg; die eine steht in seinen Gedichten, S. 129 — 131; 
die andre hat er mit deutscher Übersetzung und Anmerkungen in Ehren- 
traut's Fries. Archiv II, S. 328 — 333 drucken lassen. Der Abdruck bei 
Hansen ist ohne Quellenangabe, scheint aber auf den geschri ebnen 



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M.'schen Text zurückzugehn. 2 Strophen des Liedes sind in Johansen's 
Ndfrs. Sprache, S. 90 und 89 abgedruckt. Die erste Strophe kommt in 
verstümmelter Gestalt noch in dem Liede von Rörd Jappen aus Wrixum 
(S. 29, 22) vor. — Das hohe Alter des Liedes bekundet der ganze 
Inhalt: Ritter und Knappe, Meth, Wachskerzen bei der Leiche. Die 
Reime beweisen teilweise ältre Sprachformen. Vielfach weist das Lied 
noch Stabreim auf. Die wunderbare Weise, moll, dann dur, dann 
mit moll wieder schliessend, ist durch ihre schwere, dramatische Tragik 
nicht nur allgemein musikalisch, sondern auch für die germanische 
Rythmik hochinteressant. Das Lied steht innerhalb der deutschen 
Volksliederliteratur ganz vereinzelt da und wird auf Osterland-Föhr 
entstanden sein. Am ehsten bietet noch Anklänge das alte dithmarsche 
Tanzlied „Her Hinrich und sine bröder alle drei" (Neocorus, hrsg. von 
Dahlmann II, 569, danach öfter abgedruckt, Uhland's Volkslieder I, 
Nr. 128, Böhme's Altd. Liederbuch, Nr. 12). 

14. En Ferring Döntje, Gedicht, gedruckt in der Beilage der 
„Westsee-Inseln" Nr. 14, Deezbüll, 15. Februar 1879. 

15. Frau Wilhelmine Petersen schrieb drei im Besitz von Johann 
Petersen in Oevenum befindliche Gedichte: 

a) Efterrep tu üs lew ferstürwenFrinj (S. R. Bohn), 1879, gedruckt 
Westsee-Inseln Nr. 57, Deezbüll, 1879. — b) Un Tine S., vördrainj unt Wa- 
sterlun, Gelegenheitsgedicht, 1882. — c) An Friedericke S., Gelegenheits- 
gedicht, 1882 oder 1883. 

16. Frau Namine Witt, jetzt in Nieblum, besitzt eine grössre, 
leider nicht zugängliche Sammlung guter Gediente. 

17. Frau Laura Ketels in Oevenum besitzt mehrere nette Ge- 
legenheitsgedichte. 

18. Adjis, Lied von Ida Jacobs, um 1880, Originalhdschr. in 
meinem Besitz. Dieselbe, Frau Ida Jansen in Oevenum, besitzt noch 
mehrere nette Gelegenheitsgedichte. 

19. E Fung as ihn, e Sckinnien san voll Segen, Gedicht 
von Jacob Martin Jacobs, 1881. Dies und noch Andres von dem- 
selben befindet sich im Besitz von Frau Ida Jansen in Oevenum. 

20. Knud Broder Knudsen hat folgende Gedichte geschrieben: 
a)Allhuarik san uk üb aEerd, Lied, gedruckt bei Nerong, Führ 

früher und jetzt, Wyk (1885), S. 149. — b) Mutt ik ball, mutt ik ball 
well er fan di tji, Lied, um 1870, Nachdichtung von „Muss i denn, muss i denn 
zum Städtele 'naus", Originaltext in meinem Besitz. — c) Komm, let's üss 
högi, Trinklied, Originaltext in meinem Besitz. — d) Von Confermiren 
detts doch was, Gelegenheitslied, Originalhdschr. in meinem Besitz. — e) Bi 
Ütjbringen tu sjongen, Gelegenheitslied, 1884, Originalhdschr. in meinem 
Besitz. — f) Üs lew nett Mammensprieck, Gedicht, 1886, Originalhdschr. 
in meinem Besitz. — g) Det üs ual ferring Spriak verfoll, Gelegenheits- 
gedicht, 1886, gedruckt Insel-Bote, Nr. 91, Wyk, 20. November 1886. — Noch ver- 
schiedne Gelegenheitsgedichte von demselben sind verstreut. 

Wrixum. 

21. Trintj' an Drüg Seesen bradlepsday, seiner Zeit ausser- 
ordentlich beliebtes Spottlied von Pay Jensen aus Wrixum, Mitte 



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des 18. Jhdts. gedichtet. Der Dichter nahm sich das Leben aus Ver- 
zweiflung darüber, dass das geheim gehaltne Gedicht bekannt wurde. Die 
ältste Handschrift (vermutlich um 1800) besitzt Simon Gerrits in Oevenum. 
Fälschlich als „westerlandf öhrer u Hochzeitslied abgedruckt mit Über- 
setzung und Anmerkungen von Mechlenburg in Ehrentraut's Fries. Archiv 
II, Oldenburg 1854, S. 332 — 341 auf Grund zweier wehsdringischer Ab- 
schriften. Der ursprüngliche Text ist mit Hülfe einer Reihe von Ab- 
schriften, in denen das Lied verbreitet ist, und der mündlichen Über- 
lief rung sicher festzustellen. Inhalt, Stil und Weise sind durchaus originell. 
22. Buh Redder tred, Buh Redder Dans oder Ah Redder 
träid eh Bar eh Daanz, altes Gedicht von dem Grönlandsfahrer 
Rörd Jappen aus Wrixum; ich besitze es in zwei abweichenden 
Niederschriften, aus dem Munde einer alten Boldixumerin und zweier 
Midlumer. 



VI. Sprachliche Vorarbeiten. 



§ 20. Eine streng wissenschaftliche Darstellung der a.-f. Sprache 
giebt es bisher nicht. Eine vergleichende Grammatik sämtlicher 
friesischen, a.-f.-h.-s. und ndfrs. Mundarten von Möller ist in Vor- 
bereitung. Die wichtigsten Vorarbeiten sind die folgenden: 

1. Johansen, Die Nordfriesische Sprache nach der Föhringer 
und Amrumer Mundart, Kiel 1862, VIII +• 288 S. (S. 193 ff. Sprach- 
proben), ein zwar nicht wissenschaftliches, in der Anordnung des Stoffs 
völlig verfehltes Buch, dazu von Druckfehlern wimmelnd, aber dennoch 
als Materialsammlung sehr schätzenswert und für die Wortbildungs- 
lehre, Bedeutungslehre und Syntax ganz unentbehrlich. Es behandelt 
tatsächlich nur das Amringische, nicht auch das Föhringische. — 
Einige Wörter aus Johansen sind aufgenommen von Halbertsma in 
seinem Lexicon Frisicum. A — feer. Hagse Comitis 1874. 

2. Mechlenburg, Amrum-deutsch, nordfries. etc. alphabetisch 
geordnetes Wörterbuch, Handschrift, 2 Bände in 4°, 735 Seiten = 
198 -+- 178 — 4 Doppelseiten, vollendet 1854. Es ist als ein Parallel- 
wörterbuch angelegt und enthält nur für das Amr. vollständig aus- 
gefüllte Spalten für die Mundarten von Amrum mit deutscher und 
zum Teil dänischer Übersetzung, von West- und Ostföhr, Sild, Stedesand, 
Norgoesharde nach Outzen, Niebüll-Dagebüll, Wiedingharde, Langen- 
horn, Nordmarsch, Wangerooge, das Altfries., Angelsächs., Got. und 
Isländische. Die Hdschr. befindet sich auf der Stadtbibliothek zu 
Hamburg, als Nr. la und lb des M.'schen Nachlasses. Ich bereite 
die Herausgabe eines a.-f. Wörterbuchs auf der sichern Grundlage des 
M.'schen für die Sammlung der Wörterbücher des Vereins für nieder- 
deutsche Sprachforschung vor. 



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§ 21. Diesen beiden umfassendem und grundlegenden Werken 
gegenüber nehmen die folgenden, zumeist nur einzelne Teile der a.-f. 
Sprachlehre darstellenden Arbeiten eine untergeordnete Stellung ein: 

1. Peters, Beitrag zur Kenntnis der friesischen Sprache, ge- 
schrieben im Jahr 1757, Falck's Staatsbürgerl. Magazin V, 1826, 
S. 739 — 745, ist das § 18, 3 genannte aosdr. Wörterverzeichnis. 

2. Z. E. und G. V., föhringisches Wörterverzeichnis von 1758, s. 
§ 18, 4. 

3. Outzen, Glossarium der friesischen Sprache, Kopenhagen 
1837 (1824 vollendet), enthält verhältnismässig wenig a.-f. Wörter; 
vgl. § 18, 7. 

4. Mechlenburg, Abschrift von Outzen's Glossarium in Auszü- 
gen, mit Hinzufügung der amr. Formen, Hdschr. in Hamburg, Nr. 7 
des M.'schen Nachlasses. 

5. Mechlenburg, Deutsch-friesisches Wörterbuch, d. i. deutsch- 
amr. Vokabular; Anhang dazu: a.-f. nomina propria, Hdschr. Nr. 4b 
des M.'schen Nachlasses. 

6. Mechlenburg, Deutsch-nordfries. Wörterbuch, a — brettern, 
nur für das Amr. vollständig, Hdschr. Nr. 4c des Nachlasses. 

7. Mechlenburg, Amrumisch-Stedesandisches Vokabular: a, be, 
e und f, Hdschr. Nr. 5c des Nachlasses. 

8. Mechlenburg, die deutschen Verba alphabetisch in Parallel- 
spalten für das Afrs., Westfries., Wangeroog., Saterländ., Ags., Isl. 
und Amr., unvollständig, Hdschr. Nr. 4b des Nachlasses. 

9. Mechlenburg, Neubearbeitung des Vokalismus von Minssen's 
(so wertvoll sonst, für das nordfries. Material gänzlich unbrauchbarem) 
Aufsatz in Ehrentraut's Fries. Archiv I, S. 165 — 276, für die nordalbin- 
gischen Mundarten; hier kommen zum Helgol. nicht in gleicher Voll- 
ständigkeit ausgefüllte Spalten hinzu für Süd, Amrum-Föhr, Stedesand, 
Enge, Dagebüll, Wiedingharde und Outzen; wie bei Minssen bildet die 
Grundlage der altfrs. Vokalismus, dessen Quantität freilich oft genug 
falsch angesetzt ist; die Arbeit ist, wenn auch nicht ganz zuverlässig, 
sehr wichtig für die vergleichende Lautlehre des A.-F. Die Hdschr. 
befindet sich in Hamburg als Nr. 15a des M.'schen Nachlasses. 

10. Mechlenburg, amr. Wörterverzeichnis nach den Vokalen 
der Stammsilbe, und zwar für ü, u, ö, o, ü, ü, 8, ö, Hdschr. Nr. 4d 
des Nachlasses. 

11. Mechlenburg, Amrumsche Vokabeln, nach BegrifFsklassen 
geordnet: Subst., Verb., Adj., Adv., Hdschr. Nr. 4a des Nachlasses. 

12. Mechlenburg, Deklinazion, Pronomina, Adverbia, Präposi- 
zionen und die Ablautsreihen der amr. Zeitwörter, Hdschr. Nr. 2a des 
Nachlasses. 

13. Mechlenburg, Diminutiva im Amr., zur Bestimmung des Ge- 
schlechts der amr. nom. substant., über die amr. Praeposizionen, Konjunk- 
zionen, Praefixe, Interjekzionen u. s. w., Hdschr. Nr. 2c des Nachlasses. 



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14. Viel amr. Sprachstoff findet sich überall in Mechlenburg's 
nachgelassen Papieren; ich erwähne nur noch das Heft Nr. 2b, eine 
Vorarbeit zu 11 und eine reiche Beispielsammlung für gleichlautende, 
aber bedeutungsverschiedne amr. Wörter, Nr. 4b des Nachlasses. 

15. Johansen, Die Seemannswittwe auf der Düneninsel, Kiel 
1860, giebt S. 96— -100 ein Paar in dem Buche vorkommende amringer 
Wörter in alphabetischer Reihenfolge an, grösstenteils Fachausdrücke. 

. 16. Clement*), Reise durch Friesland, Holland und Deutschland, 
Kiel 1847, giebt manche sprachliche Bemerkung; vgl. S. 22, 17. 

17. Clement, Heidelberger Jahrbücher 1847, S. 932—934, giebt 
eine Aufzählung amr. Zeitwörter nach den Infinitiven auf in, en und 
an, bei denen auf an mit Angabe des Praeteritums, S. 935 eine Be- 
merkung über das schwache Praeteritum und Verbaladjektiv. Wieder 
abgedruckt Ehrentraut, Fries. Archiv I, S. 290 — 294. 

18. Clement, Das westgermanische Element in der englischen 
Sprache, Herrig's Archiv IV, 235 — 278, giebt einen ausführlichen 
englisch-amringischen vocabularius rerum. — Dagegen Greverus, Be- 
merkungen über die Abhandlung des Dr. Clement: D. wg. Elem. i. d. 
engl. Spr., Herrig's Archiv VI, 81—88. 

19. Clement, Über Wesen und Grenzen der breitenglischen 
Sprache, HerrigV Archiv V, giebt S. 39 — 63 eine vergleichende breit- 
engl.-amr.-engl. Wortsammlung. 

20. Clement, Die plattdeutsche Sprache, Herrig's Archiv V, 
giebt S. 310 — 325 eine nordhausen-amr. Wortsammlung. 

21. Clement, Über Wesen und Abkunft der breitschottischen 
Sprache, Herrig's Archiv VI, giebt S. 54 f., 58—60, 167—173, 297—314 
ein breitschottisch-amr. Wörterverzeichnis. 

22. Clement, Eigenthümliche Elemente der frisischen (d. i. amr.) 
Sprache, Herrig's Archiv IX, 179 — 187: Die Endung ens und lis; 
die drei frisischen Infinitiv-Endungen auf in, an und en; die weibliche 
Endung ster; die Partikeln at und eat; die Vorsilben tu (ohne den 
Ton) und tu (mit dem Ton); die Endung lith. Fortsetzung Herrig's 
Archiv X, 136 — 147: Nachtrag zu der Endung ens; nordfrisische Di- 
minutiven — der frisische Umlaut; nordfrisische Beinamen, Spitznamen 
und Schimpfworte. Fortsetzung Herrig's Archiv X, 269 — 287: Der 
ubergang des f in w bei Verlängerung des Worts; Ausdrücke und 
Ausdrucksweisen (u. A. Gebrauch der Partikel am, das frisische Haus, 
die Collectiv-Endung ang). Fortsetzung Herrig's Archiv XII, 71 — 81. 

*) Bei 8ämmtlichen Schriften Clements muss davor gewarnt werden, sich 
seiner Darstellung wie seinen sprachlichen Angaben ohne Weitres anzuvertrauen. Die 
ganze Darstellung dieses friesischen Nazionalfanatikers ist beeinflusst durch das 
Vorurteil der nahen Verwantschaft des Amr. mit dem Engl, und entbehrt jeder 
wissenschaftlichen Objektivität. Selbst seinen Angaben amr. Wörter ist nicht immer 
zu trauen; es kommt ihm unter Umständen nicht darauf an, seiner Theorie zu Liebe 
ein amr. Wort dem engl, ähnlicher zu machen, als es in Wirklichkeit der Fall 
ist. Seine Schriften sind nur mit äusserster Vorsicht zu benutzen. 



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23. Clement, Schleswig, das urheimische Land des nicht däni- 
schen Volks der Angeln und Frisen und Englands Mutterland, Ham- 
burg 1862; 2. (Titel-) Auflage: Schleswig, das Urheim der Angeln und 
Frisen, Altona 1867. S. 63 — 201 massenhafter Stoff zur Vergleichung 
des englischen und amringischen Wortschatzes (S. 115 — 119 u. A. 
vergleichende Übersicht der engl, und amr. unregelmässigen Zeitwörter, 
S. 127 — 134 engl.-friesische Personennamen, S. 147 — 153 amr.-engl. 
vocabularius rerum, S. 159 — 183 engl.-nordfries. Ortsnamen). 

24. Bohn*) in Rendsburg hat ein völlig unzuverlässiges, von 
Unrichtigkeiten förmlich starrendes, amringisch-englisches Vokabular 
1868 geschrieben, das jetzt H. Möller in Kopenhagen besitzt, 3 Quart- 
hefte, 576 Seiten, angeordnet nach den Entsprechungen der Vokale 
in beiden Sprachen, also 1) amr. a = engl, a, 2) amr. ö = engl, a, 
3) amr. a = engl, i u. s. w. 

25. Bohn, ein ebenso unbrauchbares „Friesisches Vokabularium 
in der Amrumer Mundart 1884", 60 Quartseiten, ohne jede alpha- 
betische oder sachliche Anordnung, im Besitz von H. Möller in 
Kopenhagen. 

26. Bohn, „Das friesische Element in der englischen Sprache. 
In Briefen. 1885." Quartheft, 101 Seiten, im Besitz des Verfassers, 
von dem gleichen wissenschaftlichen Wert, wenn auch manche Ein- 
zelheit brauchbar ist. 

27. Möller, Das altenglische Volksepos I, Kiel 1883, enthält 
S. 85 wichtige Bemerkungen über die Verwantschaftsverhältnisse des 
Amr.-Föhr.-Helgol.-Sildr., des Nordfries., des Altfries, und des Alt- 
englischen. 

28. Siebs, Die Assibilirung des k und g, Tübingen 1886, be- 
handelt S. 37 f. s aus k, S. 40 j aus g und giebt S. 41 — 43 eine 
Erklärung der Palatalerscheinungen im A.-F., S. 45 noch Anm. über 
das s' aus fj in amr. s'äur. 

*) Bohn ist ein Schüler von Clement. 



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Verbessrung : 

S. 6, Z. 3. 4, S. 7, Z. 7. 8. 30. 31 und S. 8, Z. 17 ist in den wang., sat. 
und westfrs. Wörtern w statt v einzusetzen. 



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Illlllllll 

3210 




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